Kfz: Telematik bringt Vermittlern keine Abschlüsse

Berater von Florian Burghardt

Telematik-Tarife gelten als Zukunft der Kfz-Versicherung. Doch einer Vermittlerbefragung zufolge haben sie keine Relevanz bei der Entscheidung für einen Anbieterwechsel. Auch eine andere Studie stellt den modernen Tarifen kein gutes Zeugnis aus.

Per Smartphone-App das eigene Fahrverhalten aufzeichnen und dafür gegebenenfalls einen Beitragsnachlass in der Kfz-Versicherung erhalten. Vermittlern zufolge lassen sich mit Telematik-Tarifen keine Kunden beeindrucken.

Per Smartphone-App das eigene Fahrverhalten aufzeichnen und dafür gegebenenfalls einen Beitragsnachlass in der Kfz-Versicherung erhalten. Vermittlern zufolge lassen sich mit Telematik-Tarifen keine Kunden beeindrucken. Bild: Pexels/Pixabay

Die diesjährige Wechselsaison in der Kfz-Versicherung ist auf der Zielgeraden. Schließlich haben die meisten Autofahrer den 30. November als Stichtag für die Kündigung ihres bestehenden Vertrages.

Wie sich der „heiße Herbst“ in diesem Jahr aus Vermittlersicht gestaltet und welche Trends zu erkennen sind, wollte die Alsterspree Consulting GmbH wissen. An einer Online-Kurzumfrage in der dritten Novemberwoche haben sich 65 Vermittler beteiligt, die im aktuellen Kfz-Wechselgeschäft aktiv unterwegs sind.

Fast alle von ihnen (64) äußerten sich auch zum vieldiskutierten Thema Telematik in der Kfz-Versicherung. Obwohl die, an das Fahrverhalten der Kunden gekoppelten, Tarife immer wieder mit Superlativen in Sachen Beitragsfairness und Sicherheit dekoriert werden, sehen die befragten Vermittler darin keine Zukunft. Lediglich jeweils ein Teilnehmer (1,6 Prozent) bewerte die Rolle von Telematik-Tarifen im Kfz-Wechselgeschäft mit wichtig und sehr wichtig. Als eher unwichtig werden sie hingegen von 24 Befragten (37,4 Prozent) und als unwichtig sogar von 38 Befragten (59,4 Prozent) angesehen.

Hohe Stornoquote

Dass der deutsche Markt noch nicht wirklich reif für Telematik-Tarife ist, belegt auch eine Studie der Versicherungskammer Bayern (VKB). Ein Jahr lang konnten 1.000 Teilnehmer die „Drive+“-App der VKB-Tochter Bavariadirekt als Teil ihrer Kfz-Versicherung nutzen. Von dieser Möglichkeit machten 85 Prozent der Studienteilnehmer Gebrauch, davon 49 Prozent täglich.

Allerdings konnte während der Nutzung keine positive Änderung des Fahrverhaltens festgestellt werden. Auch der Schadenaufwand konnte nicht signifikant verringert werden. Zudem erklärten die Studienautoren, dass die Stornoquote für das Produkt um 30 Prozent höher lag als normal. Darüber hinaus kamen sie zu der Erkenntnis, dass die Validität der Daten nicht ausreichend prüfbar sei. Zwar ließe sich aus den aus der App gewonnen Daten schließen, ob die Nutzer Bahn, Bus, Rad oder Auto nutzen – jedoch nicht, ob der Nutzer auch selbst fährt.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare