GroKo: Rentenerhöhung trifft auf kritische Stimmen

Berater von Florian Burghardt

Rentnerinnen und Rentner in Deutschland bekommen im nächsten Jahr voraussichtlich erneut eine überdurchschnittliche Erhöhung ihrer Bezüge. Die parallelen Rentenpläne der Bundesregierung erhalten von Experten allerdings heftigen Gegenwind.

Im Bundestag soll am Donnerstag das Rentenpaket der GroKo beschlossen werden. Viele Experten sehen die Pläne jedoch kritisch.

Im Bundestag soll am Donnerstag das Rentenpaket der GroKo beschlossen werden. Viele Experten sehen die Pläne jedoch kritisch. Bild: Pixlord/Pixabay

Die gut 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können voraussichtlich mit der nächsten deutlichen Erhöhung ihrer Bezüge rechnen. Zum 01. Juli 2019 soll die gesetzliche Rente in den alten Bundesländern um 3,18 Prozent steigen, in den neuen Bundesländern sogar um 3,91 Prozent. Das geht aus dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts der Bundesregierung für das Jahr 2018 hervor, der dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und der dpa vorliegt.

Bereits im laufenden Jahr haben Ost- und West-Rentner jeweils über 3 Prozent Erhöhung erhalten. Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre sind die Bezüge in Ostdeutschland um durchschnittlich 3,59 Prozent und in Westdeutschland um 2,63 Prozent pro Jahr gestiegen. In den 5 Jahren davor hatten die durchschnittlichen Erhöhungen deutlich darunter gelegen (West: 1,4 Prozent; Ost: 2,2 Prozent). „Bis spätestens zur Rentenanpassung 2024 wird der aktuelle Rentenwert (Ost) auf 100 Prozent des Westwerts ansteigen“, betonte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil im Rahmen der letzten Anpassungen in diesem Frühjahr.

Rentenpaket: „Teuer, ungerecht und kurzsichtig“

Während also die Aussichten für Rentenbezieher Gutes verheißen, zeigen sich Experten von den weiteren Rentenplänen der GroKo wenig begeistert. Diese will am Donnerstag ihr Rentenpaket beschließen, das eine doppelte Haltelinie (Rentenniveau soll bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken; Beitragssatz soll bis 2025 die 20 Prozent-Marke nicht überschreiten) vorsieht. Die gestrige Sachverständigenanhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales offenbarte allerdings mehrere kritische Stimmen zu diesen Plänen.

So seien die Rentenpläne „teuer, ungerecht und kurzsichtig“ und die doppelte Haltelinie „einseitig an den Interessen der Rentner orientiert", hieß es dazu in der Stellungnahme der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers Eckart Bomsdorf würden die geplanten Begrenzungen dem Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung widersprechen.

Der Soziologe Gerhard Bäcker bezeichnet die Haltelinie beim Rentenniveau zwar als "überfällige Reaktion auf die Fehlentwicklungen in der Rentenversicherung". Aber die Begrenzung auf das Jahr 2025 löse das grundsätzliche Problem nicht, weil das Rentenniveau nach 2025 schnell weiter absinken werde, so Bäcker. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, dass eine harte Deckelung des Beitragssatzes auf 20 Prozent die Belastungen für die Altersvorsorge von den Arbeitgebern auf die Arbeitnehmer abwälzen würde.

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