Frontier Markets: Jenseits von Afrika

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Für Anleger sind Frontier-Markets-Fonds eine interessante Beimischung mit Chancen auf fast allen Kontinenten. Aber sie brauchen Nerven: Auf heftige Verlustjahre folgen fulminante Kursaufschwünge.

Afrika Frontier Markets Investment Schwellenland

Außerhalb von USA und Europa gibt es einige Anlage-Perlen zu entdecken. Einige afrikanische Länder zählen dazu. pixabay / SmallmanA

Am Rand der bekannten Welt ist das Investmentuniversum nicht zu Ende. In Europa oder den USA investiert fast jeder deutsche Aktienanleger. Entsprechend schwierig ist es, hier noch unentdeckte Perlen zu finden.

Aber was ist mit vielversprechenden Ländern wie Vietnam, Nigeria, oder Sri Lanka? Die hat fast keiner auf dem Zettel. Und entsprechend groß sind die Chancen. Anlegern bietet sich die Möglichkeit, über Fonds von der langfristig sehr wahrscheinlich positiven Entwicklung dieser Regionen zu profitieren. Dafür brauchen sie allerdings ein robustes Nervenkostüm, denn die Kurse der Anteilsscheine schwanken extrem. Hinzu kommen Währungsrisiken und -chancen, weil die Fonds in ausländische Sachwerte investieren, die in der jeweiligen Landeswährung bezahlt werden müssen. Zudem legen viele Anbieter ihren Frontier-Fonds in US-Dollar auf; hier ist der Wechselkurs zum Euro relevant.

Politischer und wirtschaftlicher Rückstand

Ein Mann, der von Berufs wegen über die Grenzen der üblichen Zielregionen hinausschaut, ist Oliver Bell, Manager des Frontier Markets Equity Fund von T. Rowe Price. Der Fonds hat ein Volumen von 310 Millionen US-Dollar und investiert unter anderem in die oben bereits genannten Grenzmärkte. „Besonders attraktiv sind die Bewertungen in Nigeria“, betont Bell gegenüber procontra. „Das Land befindet sich auf dem Weg aus einer Rezession.“ Auch Simbabwe traut der Fondsmanager eine vielversprechende Entwicklung zu.
Derzeit wirkt das afrikanische Land, das jahrelang unter dem Despoten Robert Mugabe litt, wirtschaftlich und politisch unendlich weit weg von allem, was die meisten Menschen in Westeuropa lieben und schätzen. Aber Mugabes Nachfolger, Präsident Emmerson Mnangagwa, hat versprochen, das Land für Investoren aus dem Ausland zu öffnen, und hofft im Gegenzug auf die Aufhebung der Sanktionen, die gegen sein Land wegen Menschenrechtsverstößen und Unterdrückung der Opposition einst verhängt worden waren.

Afrika: "Brotkorb der Welt"?

Afrika hat einen Anteil von 17 Prozent im Frontier Markets Equity Fund. Die Beispiele Nigeria und Simbabwe illustrieren gut, was Grenzmärkte sind: Sehr rückständige Regionen, aber keine hoffnungslosen Fälle. Entsprechende Reformen vorausgesetzt, haben diese Märkte immenses Potenzial. Mark Mobius, Portfoliomanager bei Franklin Templeton, soll Afrika vor Journalisten in London als „Brotkorb der Welt“ bezeichnet haben, „wenn die landwirtschaftlichen Ressourcen beständig entwickelt würden“.
Die Fondsgesellschaft hat Ende Mai 2017 ihren Templeton Frontier Markets Fund wieder für Anleger geöffnet. Im Juni 2013 hatte sie ihn per „soft closing“ vorübergehend geschlossen, weil dem Anlagevehikel mehr Investorengelder zuflossen, als Investmentmöglichkeiten vorhanden waren. Laut dem Fondsanalysehaus Morningstar stecken in dem Sondervermögen derzeit rund 590 Millionen US-Dollar. Bei der Performance freilich hängt das Produkt der Konkurrenz hinterher.

17 Prozent pro Jahr

Welche Märkte zum Segment der Frontier Markets gehören, ist nicht eindeutig definiert. Generell verstehen Experten unter dem Begriff diejenigen Volkswirtschaften, die mit ihrer wirtschaftlichen Leistung an der Grenze zu den Schwellenländern stehen. Eine Orientierungshilfe sind die Definitionen der Indexanbieter. MSCI zum Beispiel bestimmt für seien MSCI Frontier Index derzeit 29 Länder als Grenzmärkte. Darunter befinden sich Staaten wie Argentinien, Bangladesch, Kroatien, Elfenbeinküste, Kenia, Kuweit, Kasachstan, Senegal, Tunesien und Vietnam – um nur zehn Regionen zu nennen. Dem Indexanbieter zufolge, verzeichneten die Grenzmärkte in den vergangenen zehn Jahren eine annualisierte Performance – also pro Jahr – von fast 17 Prozent.

Den vollständigen Artikel mit Tabelle finden Sie in der kommenden Printausgabe der procontra.

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