Frauenpower: Beratung wird weiblich

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Noch dominieren Männer die Medaillenränge beim bundesweiten Wettbewerb „Jungmakler-Award“. Das mag zum Teil auch an der Zusammensetzung der Jury liegen. Doch diesmal waren schon fünf von 14 Finalisten Frauen. Ein Hoffnungsschimmer.

Anja Döring schaffte es ins Finale des Jungmakler-Awards, verfehlte aber das Preisgeld. Ihr bleibt „eine weiter erhöhte Reputation“. Bild: KVoptimal

Die demografischen Probleme im Versicherungsvertrieb sind unübersehbar. Im Schnitt ist ein Versicherungsmakler heute 51,6 Jahre alt, hat eine Branchenerfahrung von 24,2 Jahren und ist 81 Prozent männlichen Geschlechts, ergibt die Datenbank des DKM-Messeveranstalters BBG Betriebsberatungsgesellschaft. Deswegen vergibt seit acht Jahren einen „Jungmakler-Award“.

Die Gewinner des Jahrgangs 2018 sind kürzlich auf der DKM gekürt worden. Beworben hatten sich 67 Jungmakler aus dem ganzen Bundesgebiet. 14 Jungmakler bis zum Alter von 40 Jahren schafften es in das Bundes-Casting und mussten eine elfköpfige Bundesjury aus Vorständen, Wissenschaftlern und dem Veranstalter überzeugen.

Gewonnen und damit 10.000 Euro Preisgeld eingeheimst hat diesmal Dirk Becht (DIVM Deutsche Immobilien Versicherungsmakler GmbH), der 2016 bereits Zweiter und 2015 Dritter geworden war. Auf den Plätzen folgten 2018 Rainer Schamberger, Inhaber Rainer Schamberger, Versicherungsmakler für das Handwerk (5.000 Euro Preisgeld), und Daniel Ivakovic, Geschäftsführer der DI Wirtschaftsberatung GmbH (3.000 Euro Preisgeld).

Frauen holen langsam auf

Wieder einmal gewannen damit drei Männer die begehrten ersten drei Plätze. Doch Frauen holen offenbar auf. Immerhin waren unter den 14 Finalisten diesmal fünf Frauen:

• Sabine Burk, Geschäftsführerin der Versicherungsmakler Gaisreiter GmbH,

• Christin Descher, Inhaberin Christin Descher Verantwortungsvolles Finanzmanagement,

• Anja Döring, Geschäftsführerin der KVoptimal.de GmbH,

• Miriam Pöllath, Inhaberin Asistencia – die Antrags-Nanny, sowie

• Marie Christina Schröders, Geschäftsführerin der Safive GmbH & Co. KG.

Das Preisgeld war 2016 stark erhöht worden. Der Erstplatzierte erhält seither 10.000 Euro statt zuvor 5.000 Euro. Dennoch ist die Zahl der Bewerbungen seit 2014 rückläufig. Die Bundesjury besteht ausschließlich aus Männern. Für die Bewertung gibt es offenbar keine haren Parameter. Zuletzt hatte 2015 mit Nazli Olgar, Confidens Consulting & Management, eine Frau den Wettbewerb gewonnen. 2017 schaffte es Janine Teetz, finaconsil – Vermögensmanagement für Mediziner, auf den Vizerang.

Was Finalistin Anja Döring dazu sagt

Anja Döring (33), 2018 im Finale, hat sich mit ihrer KVoptimal.de GmbH auf den Tarifwechsel innerhalb der PKV (nach Paragraf 204 VVG) spezialisiert. Sie hatte insgeheim auch mit einem Medaillenrang geliebäugelt und war „hinterher enttäuscht“. Es bleibt ihr aber durch die Aufmerksamkeit der Fachwelt „eine weiter erhöhte Reputation“.

Über 35 Prozent Frauenquote unter den Finalisten findet Döring im Verhältnis zu den Frauenquoten der selbstständigen Vermittler bemerkenswert. Warum so wenige Frauen als Unternehmerinnen in der Branche Fuß fassen, erklärt sich die junge Mutter auch damit, dass Frauen nicht so gut damit umgehen können, wenn Kunden auf deren Rat nicht sofort anspringen. Zudem sei vielen Frauen das Risiko zu groß, sich selbstständig zu machen, „weil sie offenbar mehr Sicherheit als Männer benötigen“.

Viele Interessenten fragen online an

Die Familienplanung an sich sei kein Hinderungsgrund für Selbstständigkeit, „wenn man die Digitalisierung auch dazu nutzt, Beruf und Familie erfolgreich unter einen Hut zu bringen“. Döring selbst arbeitet in der Regel nur von 9 bis 15 Uhr, hat aber ein Team von acht Angestellten so organisiert, dass im Jahr mehr als 2.000 neue Kundenanfragen bearbeitet werden können, von denen die Hälfte das Beratungsangebot zum Tarifwechsel nutzt. Wiederum rund die Hälfte davon nutzt den Tarifwechsel dann tatsächlich innerhalb der PKV.

Tarifwechselberatung mache rund 95 Prozent des Geschäfts aus, der Rest sei PKV-Neugeschäft. Bezahlt wird der Maklerbetrieb vom Kunden, der ein erfolgsabhängiges Vermittlungsentgelt entrichtet. Dabei hat die Firma keine Anbindungen an Versicherer, sondern „Neugeschäft und Betreuung laufen über einen Maklerpool“, so Döring.

Viele Interessenten kämen über das Tarifportal mit Fachinformationen zu den PKV-Tarifen auf ihrer Internetseite oder über ihre Blogs. Auftrieb bekäme das Geschäftsmodell nicht nur durch die Finalplatzierung beim Jungmakler-Award, sondern auch durch aktuelle Urteile, die eine Tarifwechselberatung nach Paragraf 5 RDG als Nebenleistung eines Versicherungsmaklers erlauben. Dies hat der Bundesgerichtshof jüngst bestätigt (Az.: I ZR 77/17).

Ab sofort ist die Bewerbung für den Jungmakler-Award Jahr 2019 möglich. Preisverleihung und Bekanntgabe der Gewinner erfolgen am 24. Oktober 2019 auf der DKM.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare