Eigenkapital - Wie viel brauche ich für meine Baufinanzierung?

Baufinanzierung Meistgeklickt von Florian Burghardt

Die Guthaben- und Kreditzinsen sind heute viel niedriger als vor 20 Jahren. Aber müssen Häuslebauer deswegen auch weniger angespart haben? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn auch andere Faktoren fallen ins Gewicht.

Viele Häuslebauer stellen sich die Frage, ob ihr Eigenkapital für einen Immobilienkredit ausreichend ist.

Viele Häuslebauer stellen sich die Frage, ob ihr Eigenkapital für einen Immobilienkredit ausreichend ist. Bild: Sophieja23/Pixabay

„Je mehr Eigenkapital, desto geringer sind die Risiken.“ Dieser einfache und pauschale Hinweis zur Immobilienfinanzierung auf den Internetseiten des Verbaucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ist nicht falsch. Er bringt die meisten potenziellen Immobilieneigentümer in Deutschland aber nicht wirklich weiter. Schließlich möchten die Menschen gerne wissen, wie viel Eigenkapital für ihre Finanzierung ausreichend ist.

Allerdings lässt sich diese Frage nicht so einfach und pauschal beantworten. Sehr zum Unbehagen der stetig wachsenden Gruppe von potenziellen Immobilien-Finanzierern. Verschiedenen Umfragen zufolge stehen in Zeiten niedriger Guthabenzinsen Immobilien bei immer mehr Sparern in der Rangliste beliebter Geldanlagen und Altersvorsorgevarianten ganz oben.

Dazu tragen auch die niedrigen Kreditzinsen bei. Gab es das Geld fürs Eigenheim vor 20 Jahren durchschnittlich für 5-6 Prozent Zinsen und vor 10 Jahren für etwa 4-5 Prozent, so liegt der Zinssatz heute zwischen 1-2 Prozent. Aufgrund der höheren Kreditzinsen mussten die Häuslebauer damals auch mehr Eigenkapital mitbringen, um sich die Finanzierung leisten zu können. Häufig waren das um die 30 Prozent des Kaufpreises. Eine Marke, die durch die damals ebenfalls höheren Guthabenzinsen besser zu erreichen war.  

Zinsen runter, Preise rauf

Da das Geld heute „billiger“ ist, sind die Menschen in der Lage, sich mehr davon zu leihen. Zwar sind laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) viele Banken schon mit einem 10-prozentigen Anteil der Kreditnehmer am Kaufpreis zufrieden. Allerdings hat sich der Kaufpreis als Basiswert in den letzten Jahren auch merklich verändert. Laut Werten des Statistischen Bundesamts stiegen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude im August 2018 gegenüber August 2017 um 4,6 Prozent. Von August 2016 auf August 2017 waren es noch 3,2 Prozent gewesen. Der Preistrend zeigt also weiter nach oben.

Wenn die Immobilienpreise schneller wachsen als die Gehälter, fallen 10 Prozent Eigenkapital natürlich auch schwerer ins Gewicht als früher. Das IW rechnet vor: Für den durchschnittlichen Immobilienkaufpreis in Deutschland von 250.000 Euro müssen die Kreditnehmer mindestens 25.000 Euro Eigenkapital mitbringen. Dazu kommen on Top Erwerbsnebenkosten von rund 28.000 Euro (16.500 Euro für die Grunderwerbssteuer, 8.900 Euro für den Makler, den Rest für Notar und Grundbuch). Diese basieren ebenfalls auf dem Kaufpreis und wachsen daher mit.

Das bedeutet, dass die Menschen im Schnitt 53.000 Euro für den Hausbau mitbringen müssen. Laut IW-Zahlen verfügen aber nur 11 Prozent der Mieter über Ersparnisse von mehr als 50.000 Euro. Aber heißt das, dass sich nur etwa jeder zehnte Mieter den Schritt in die eigenen vier Wände leisten kann? Die Antwort auf diese Frage ist jedenfalls alles andere als einfach oder pauschal zu geben und sollte am besten durch eine individuelle Beratung geklärt werden.

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