Brexit: Standard Life entkräftet Panikmache

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Der Brexit betrifft auch britische Lebensversicherer wie Standard Life. blau-direkt-Chef Oliver Pradetto fürchtet um die Sicherheit der Kunden. Bedenken, die sich teilweise als inhaltlich falsch herausstellten.

Christian Nuschele, Standard Life Deutschland

Nahm zu den Sorgen der Makler Stellung: Christian Nuschele, Vertriebschef Standard Life Deutschland (Foto: Standard Life/Lightboxx_Montage:procontra)

Seit dem Brexit-Referendum fragt sich auch die Versicherungsbranche, wie es mit britischen Lebensversicherern weitergeht. Ein Schreiben vom 12.11.18 des Lübecker Maklerpools blau direkt titelte "Brexit lässt Kunden britischer Lebensversicherer schutzlos" und schürte damit Sorgen unter Kunden und Vermittlern.
procontra konfrontierte daraufhin Standard Life mit den Bedenken und wollte Klarheit schaffen, wie es um die Sicherheit und Rechte der Standard-Life-Kunden bestellt ist. Im Interview nahm Christian Nuschele, Vertriebschef der Standard Life Deutschland, Stellung. 

 

procontra: In wieweit sind die deutschen Bestände britischer Lebensversicherer durch den Brexit betroffen. Bei Standard Life im Speziellen durch den Umzug nach Irland?

Christian Nuschele: Der Brexit betrifft alle in Deutschland tätigen britischen Versicherer, die auf Basis einer rechtlich nicht selbstständigen Niederlassung in Deutschland agieren. Um weiterhin von Deutschland aus agieren zu können, haben wir im Anschluss an das Brexit-Referendum damit begonnen, verschiedene Optionen intensiv zu prüfen und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Weg über Irland die beste Option ist.

procontra: Warum gerade Irland und nicht Deutschland?

Nuschele: Zwei Gründe sprachen dann für die Standard Life International DAC in Dublin. Der wichtigste Grund war, dass With-Profit-Produkte im deutschen Versicherungsaufsichtsgesetz („VAG“) nicht geregelt sind.
Die irische Aufsicht ist hingegen der britischen in vielen Punkten sehr ähnlich. Zweitens können wir in Irland auf ein bestehendes Versicherungsunternehmen zurückgreifen, dass einen Teil der Voraussetzungen für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb in Deutschland und Österreich schon mitbringt.

procontra: Was ändert sich durch die Übertragung für die Kunden?

Nuschele: Ein wichtiges Anliegen bei der Übertragung war für uns, dass so wenig wie möglich Änderungen auf den Kunden zukommen. Kunden werden den gleichen Service erhalten wie bisher. Alle Rückfragen werden weiterhin aus Frankfurt beantwortet und Kunden und Vertriebspartner von den gleichen Ansprechpartnern betreut. Die vertraglichen Rechte des Kunden bleiben unverändert erhalten und unterliegen deutschem Vertrags- und Steuerrecht. Auch die Rechtsaufsicht der BaFin bleibt unverändert bestehen.
Standard Life International DAC übernimmt alle Rechte und Pflichten von der Standard Life Assurance Limited, die sich aus dem Versicherungsvertrag ergeben. Die Versicherungsnummer, Zahlungen und Ansprüche aus dem Vertrag, Versicherungsbeiträge und -kosten sowie die Art und Weise, wie der Vertrag verwaltet wird, ändern sich nicht. Das Vorhaben wirkt sich auch nicht auf die garantierten Leistungen aus, die Kunden im Rahmen ihres Versicherungsvertrags erhalten. Kunden werden in der täglichen Verwaltung Ihres Versicherungsvertrags keinen Unterschied feststellen.

procontra: Was passiert im Insolvenzfall?

Nuschele: Unsere Kunden werden durch aufsichtsrechtliche Vorschriften zum Insolvenzschutz auch nach der Übertragung des Geschäfts geschützt. Diese Vorschriften beruhen auf einer EU-Richtlinie und sind insoweit mit den in Deutschland geltenden Vorschriften vergleichbar.

procontra: Wie sind die Kundenansprüche konkret geschützt?

Nuschele: Durch ein sogenanntes Sicherungsvermögen. Das sind Kapitalanlagen, die getrennt vom sonstigen Vermögen verwahrt werden müssen. Für den Insolvenzfall stehen diese Kapitalanlagen vorrangig den Kunden zur Verfügung. Das bedeutet auch für uns: Unsere Kunden werden bei Geschäftsausfall zuerst aus diesem Sicherungsvermögen bedient (abgesehen von den Kosten für das Insolvenzverfahren).

Seite 1: Was passiert im Insolvenzfall?
Seite 2: Warum die Bedenken von blau direkt "absolut unberechtigt" sind

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