Zinszusatzreserve: Entlastung ab sofort möglich

Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Eine neue Berechnungsmethode für die Zinszusatzreserve bringt den Lebensversicherern noch 2018 Entlastung. Finanzminister Olaf Scholz hat die entsprechende Verordnung am 10. Oktober erlassen. Die Folgen sind auch günstig für die Kunden.

Die von Finanzminister Olaf Scholz erlassene Verordnung zur Berechnung der ZZR bringt den Lebensversicherern allein für 2018 rund 14 Milliarden Euro Entlastung.

Die von Finanzminister Olaf Scholz erlassene Verordnung zur Berechnung der ZZR bringt den Lebensversicherern allein für 2018 rund 14 Milliarden Euro Entlastung. Bild: BMF

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat die „Dritte Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz“ vor einigen Tagen erlassen. Sie gilt bereits seit dem 23. Oktober 2018. Für Geschäftsjahre, die vor 2018 begonnen haben, ist ein letztes Mal die alte Berechnungsmethode anzuwenden.

Damit sind in der Regel ab sofort die Vorschriften zur Zinszusatzreserve (ZZR) in der Lebensversicherung und die entsprechende Anpassung bei Pensionsfonds gelockert. Es wird eine sogenannte Korridormethode eingeführt, mit deren Hilfe die ZZR allein für das aktuelle Geschäftsjahr um etwa 14 Milliarden Euro gegenüber der bisherigen Berechnungsmethodik sinkt (procontra berichtete).

Die ZZR war 2011 eingeführt worden, um sicherzustellen, dass LV-Kunden jederzeit die zugesagten Leistungen auch unter dauerhaft niedrigen Zinsbedingungen erhalten. Die dazu verwendete Berechnungsmethode galt inzwischen als zu hart. Nun ist klar, wie die Politik die Lebensversicherer bei der Berechnungssystematik zur ZZR entlasten will.

Ab sofort darf weniger ZZR gebildet werden

Ohne Änderung hätte sich das bisherige ZZR-Volumen selbst bei konstantem Zinsverlauf in den kommenden Jahren bis 2023 nahezu verdreifacht. Das hätte einige Gesellschaften in Bedrängnis gebracht, wie der procontra-LV-Check zeigt (procontra berichtete).

Nach Berechnungen der Rating-Agentur Assekurata würde nun für 2018 insgesamt 14 Milliarden Euro weniger Reservierungsbedarf entstehen. Das sind noch einmal vier Milliarden mehr als bei einer ersten Schätzung im Sommer (procontra berichtete). Die Korridormethode war von der Deutschen Aktuarvereinigung in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) entwickelt worden.

In ihrer Funktionsweise fokussiert sie auch weiterhin den Referenzzinssatz, der sich unverändert am zehnjährigen Durchschnitt der Monatsendstände von Null-Kupon-Euro-Zinsswapsätzen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bemisst. Verändert sich der Referenzzins im Jahresvergleich so stark, dass er einen breiten Korridor verlässt, wird der neu anzunehmende Referenzzins auf letzteren begrenzt. Auf dieser Basis müssten die Versicherer dann Nachreservierungen vornehmen.

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