Welche Zukunft hat Finanzberatung?

Berater von Michael Fiedler

Wie kann das Negativ-Image von Finanzberatern gebrochen werden? Ein neuer Verein will sich dieser Aufgabe annehmen. Doch längst nicht alle Verbände unterstützen die Initiative.

Finanzberater Zukunft Afw

Die Gründungsriege des neuen Vereins, der vergangene Woche in Dortmund gegründet wurde. Bild: Screenshot Facebook

Ist in Dortmund Leitmesse, wird der Branchentreff gern genutzt, um gemeinsame Ziele zu verkünden. Das war bei der Dortmunder Erklärung so und setzt sich 2018 fort. In diesem Jahr wurde in Dortmund der Verein „Zukunft der Finanzberatung“ gegründet. Dessen erklärtes Ziel: Das Image von Finanzberatern soll deutlich aufgebessert werden. Dafür will der Verein u.a. positive Kundenerfahrungen sammeln. Mit diesen O-Tönen soll auch das Nachwuchsproblem der Vermittlerschaft angegangen werden. Mit der Kampagne solle klargemacht werden, dass Finanzberater ein verantwortungsvoller Beruf ist, der auch Spaß bringt.

Bündelung politischer Aktivitäten

Doch dem Verein geht es um durchaus mehr als nur Spaß und Imageförderung. Als „gemeinsames Sprachrohr“ der Finanzberater will der Verein auftreten. Und die politischen Aktivitäten der Verbände, Vermittler und Dienstleister bündeln.

Ein lobenswertes Ziel, denn die Branche hat auf viele drängende Fragen keine gemeinsamen Antworten. Dass es sich aber durchaus lohnt, mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, zeigte ein von procontra initiiertes Verbandstreffen im März 2017, als es um die Diskussionen zur IDD-Umsetzung in deutsches Recht ging.

Doch wie damals ziehen nicht alle Verbände an einem Strang. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) unterzeichnete 2017 die Abschlusserklärung nicht und fehlte nun auch bei der Gründung des neuen Vereins.
Der Votum-Verband sprang wohl erst kurz vor Vereinsgründung ab – noch neun Tage vor der DKM wurde Votum auf der Facebook-Seite des Vereins zu den Unterstützern des Vorhabens gezählt.

Anbieter unterstützen Initiative

Zur Gründung des Vereins fand sich dennoch ein breites Bündnis aus den Verbänden AfW, SdV, VSAV und IGVM. Hinzu kamen die Finanzdienstleister BSC/ Die Finanzberater, die Profinanz Versicherungsmakler AG, die Lieblingsmakler GmbH und die compexx Finanz AG. Auch VersicherungsKarrieren und die NewFinance Mediengesellschaft beteiligten sich an der Gründung.

Auch Produktanbieter wie DWS, die Bayerische und der Volkswohl Bund zählen zu den Förderern des Vereins. Diese Tatsache trifft nicht bei jedem Makler auf Verständnis. So kommentierte Klaus Rost bei Facebook: „Man möchte einen Gegenpol zu GDV und Bankenverband bilden und holt sich dann Unterstützer ins Boot, die Mitglied im GDV sind.“

Die Antwort von Christian Schwalb (BSC), der zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde, ließ nicht lange auf sich warten. Zwar hätten Produktgeber in der Vergangenheit vieles falsch gemacht, doch es sei der falsche Ansatz, Versicherer als „die Bösen“ darzustellen. „Wir sind [...] davon beseelt, dass es für uns Finanzberater ein sozialpolitischer Auftrag ist, für die finanzielle Versorgung unserer Mitbürger Verantwortung zu tragen“, so Schwab weiter. Mit Blick auf die kritisierte Fördererstruktur schrieb er, dass die Förderer alle den gleichen Anteil leisten und so die Abhängigkeit von einem einzelnen Förderer verhindert werde.

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