„Versicherungsprodukte werden noch viel, viel, viel komplexer“

Berater von Florian Burghardt

Auf der DKM wird viel über die Zukunft der Branche diskutiert. Auch darüber, worin künftig die größten Herausforderungen für Makler liegen. Dabei prallten die Meinungen von BCA und wefox aufeinander.

DKM 2018: Bei der Diskussion unter der Leitung von Matthias Beenken (Mitte) äußerten vor allem BCA-Vorstand Rolf Schünemann (links) und wefox-CEO Julian Teicke (2.v.l.) konträre Meinungen.

DKM 2018: Bei der Diskussion unter der Leitung von Matthias Beenken (Mitte) äußerten vor allem BCA-Vorstand Rolf Schünemann (links) und wefox-CEO Julian Teicke (2.v.l.) konträre Meinungen. Bild: procontra

Sei es nun Regulierung, Produktwelt oder Kundenverhalten – die Versicherungswirtschaft ist im Wandel. Ob der unabhängige Vertrieb dabei ohne Partnerschaften bestehen kann, darüber diskutierte Prof. Dr. Matthias Beenken heute auf der DKM mit Vertretern des Großmaklers Martens & Prahl, des Versicherers VHV, der wefox Group und des Maklerpools BCA.

Da alle Beteiligten Partner von kleinen und mittelgroßen Maklerbetrieben sein wollen, herrschte bei der Kernfrage grundsätzliche Einigkeit. Ebenso darin, dass Makler mit den aktuellen Veränderungen in der Branche mithalten müssen. Wie diese allerdings konkret aussehen werden und welche Herausforderungen dabei primär auf die freien Vermittler zukommen, dabei prallten die gegensätzlichen Meinungen von BCA-Vorstandschef Rolf Schünemann und wefox-CEO Julian Teicke aufeinander.

Zu viele Produkte?

So sieht der Pool-Chef vor allem die Bewältigung der regulatorischen und der technischen Herausforderungen als größte Zukunftsthemen. „Wir haben zu viele Produkte. Makler fragen uns nicht, ob wir ihnen einen tollen neuen Tarif empfehlen können, sondern ob wir funktionierende IT-Schnittstellen hinkriegen“, so Schünemann. Hierzu werden Maklerpools dringend gebraucht und hätten darüber hinaus längst ihr Nischendasein verlassen.

Das Thema Produkte sieht Teicke ganz anders. „Die Versicherungsprodukte werden noch viel, viel, viel komplexer“, prophezeite der CEO des InsurTechs wefox, zu dessen Unternehmensgruppe auch der Digitalversicherer One gehört. Mit seinen Angeboten will Teicke „am liebsten alle Makler“ bei der Hand nehmen und durch Technologisierung deren administrativen Aufwand und Fixkosten senken.

Veränderter Schutz im Sekundentakt

Dies sei notwendig, da die Produkte aus Teickes Sicht zunehmend agiler und kleinteiliger werden. Vor allem kombinierte Produkte, die unterschiedlichsten situationsbedingten Versicherungsschutz für kurze Zeitfenster bieten, würden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Dabei werden dann intelligente Technologien auf Basis großer Datenmengen den Schutz jeweils situationsbedingt automatisch aktivieren, glaubt der wefox-Chef.

Als Beispiel nannte er den Besuch in einem sensorisch überwachten Skigebiet. Beim Betreten würde automatisch ein Unfallversicherungsschutz aktiviert, beim Verlassen würde dieser wieder ausgeschaltet. Diese Aufgaben würden Maschinen den Vermittlern abnehmen. Makler wären, laut Teicke, dann eher bei der grundliegenden Überzeugung der Kunden gefordert. Schließlich würde es sich ja weiterhin um das abstrakte Produkt Versicherung handeln.

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