P&R-Insolvenz: Kein Verkauf der Container unter Wert

Sachwerte Top News von Michael Fiedler

P&R-Pleite: Welche Ursachen führten zur Insolvenz des Containervermieters? Und wann können Gläubiger mit Zahlungen rechnen? Darüber gab Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Michael Jaffé auf der ersten Gläubigerversammlung Auskunft. Er nannte konkrete Zahlen, warnte aber auch auf Hindernissen.

P&R Insolvenz Container Pleite Gläubigerversammlung München

Zwar kamen weniger Anleger zur Gläubigerversammlung als angemeldet. Dennoch war der Ansturm in München bei der ersten von vier Berichtsterminen enorm. picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

Für die erste von insgesamt vier Gläubigerversammlungen (Berichtsterminen) mietete Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Michael Jaffé die Münchener Olympiahalle an (procontra berichtete). Zwar kamen am Mittwoch weniger als die ursprünglich angemeldeten 4.000 Anleger, doch der Berichtstermin wies dennoch eine Größenordnung auf, die selten ist in Deutschland.

So versammelten sich 2.516 der betroffenen Anleger, weitere 7.723 waren nach Angaben des Insolvenzverwalters anwaltlich vertreten. Die von den stimmberechtigten Gläubigern vertretenen Forderungen beliefen sich auf insgesamt über 1 Mrd. Euro. Vier Richterinnen und Richter, 24 Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger und 39 Justizwachtmeisterinnen und Justizwachtmeister waren vor Ort, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Beschlüsse der Gläubigerversammlung

Einer der ersten Beschlüsse der Gläubiger: Sowohl Insolvenzverwalter Jaffé, als auch der vom Amtsgericht München eingesetzte Gläubigerausschuss, der aus sieben Vertretern der maßgeblichen Gläubigergruppen besteht, wurden von der Versammlung bestätigt.
Der Insolvenzverwalter konnte also seine Arbeit fortsetzten und die bestand in erster Linie darin, seine bisherigen Erkenntnisse über Ursachen und Hintergründe der Insolvenz der P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs GmbH vorzutragen.

P&R: Bereits 2010 insolvent

So führte der Insolvenzverwalter aus, dass seinen Erkenntnissen zufolge, bereits 2007 eine Differenz zwischen der Zahl der von den vier deutschen Gesellschaften an die Anleger verkauften Container und der Zahl der vorhandenen und von der Schweizer P&R Gesellschaft verwalteten Container bestand. Diese Fehlmenge sei schließlich auf über 1 Million angewachsen (procontra berichtete).

Die Erlöse der Containerflotte reichten nicht mehr aus, um die Mietansprüche der Anleger zu bedienen. Doch statt einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen, wurden die fälligen Auszahlungen an die Anleger durch Neuanlagegelder "refinanziert". Dieses "System P&R" ließ sich jedoch nur aufrechterhalten, solange genug Neuanlagegelder generiert werden konnten, hieß es im Bericht des Insolvenzverwalters. Rechtsanwalt Jaffé vertritt die Ansicht, dass der Insolvenzantrag bereits 2010 hätte gestellt werden müssen.

Magellan-Pleite und Prospektpflicht

Zu den Hintergründen und verstärkenden Effekten führte Jaffé aus, dass die Neuanlagen in Folge der Magellan-Pleite (procontra berichtete) und der ab 2017 geltenden Prospektpflicht einbrachen. Im März 2018 wurde dann Insolvenzantrag gestellt (procontra berichtete).

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