Niedrigzins: So ändert er das deutsche Sparverhalten

Berater Investmentfonds Sachwerte von Florian Burghardt

Die EZB macht weiter keine Hoffnung auf steigende Guthabenzinsen. Doch den deutschen Sparern scheint das zunehmend egal zu sein. Welche Geldanlagen sie in der Niedrigzinsphase bevorzugen und von welchen sie weg wollen, zeigt eine Studie.

Eine Erhöhung des Leitzinses durch sein Institut ist nicht in Sicht: EZB-Präsident Mario Draghi.

Eine Erhöhung des Leitzinses durch sein Institut ist nicht in Sicht: EZB-Präsident Mario Draghi. Bild: Screenshot youtube/Pressekonferenz EZB

Der Leitzins im Euroraum bleibt noch bis mindestens „über den Sommer 2019“ hinaus auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zu diesem Beschluss kam der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in seiner gestrigen Sitzung. Somit ist auch bis auf Weiteres nicht mit steigenden Guthabenzinsen zu rechnen. Das umstrittene Anleihekaufprogramm soll noch, wie geplant, bis zum Jahreswechsel fortgeführt werden, um die angestrebte Inflationsrate von 2 Prozent zu erreichen. Experten sehen dadurch vor allem eine gefährliche Kombination für Sparer.

Diese gewöhnen sich aber anscheinend immer besser an die andauernde Niedrigzinsphase. Das geht aus dem aktuellen Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) hervor, für das im Sommer 2.738 Menschen in ganz Deutschland befragt wurden. Dabei gaben 39 Prozent der Teilnehmer an, dass ihnen hinsichtlich der Ersparnisbildung überhaupt keine Entwicklung Sorgen bereite. In den Umfragejahren 2016 (26 Prozent) und 2017 (25 Prozent) hatte es noch deutlich weniger sorgenfreie Sparer gegeben.

EZB-Geldpolitik verliert ihren Schrecken

Diese bemerkenswerte Entwicklung geht vor allem zu Lasten der traditionell größten Sorge: Der Entwicklung von Zinsen und Geldpolitik. In der aktuellen Umfrage betrachteten sie nur noch 32 Prozent als besorgniserregende Entwicklung (2016: 58 Prozent; 2017: 53 Prozent). Obwohl die Niedrigzinsphase also anhält, sehen die Deutschen ihre Chancen auf erfolgreiches Sparen und Vermögensaufbau plötzlich deutlich positiver.

Gemäß dem Vermögensbarometer könnte das erstarkte Selbstbewusstsein der Sparer damit zusammenhängen, dass sie glauben, die richtige Geldanlageform als Konter auf die Niedrigzinsphase gefunden zu haben. Von den Befragten gaben 18 Prozent an, ihr Anlageverhalten durch die Wahl anderer Produkte an die niedrigen Zinsen anpassen zu wollen. Die meisten von ihnen wollen dabei umsteigen auf

  • Immobilien (31 Prozent)
                
  • Investment-/Immobilienfonds (26 Prozent)
             
  • Aktien (24 Prozent)

Die Geldanlageformen, von denen die deutschen Sparer weg wollen, sind zuvorderst das Sparbuch (53 Prozent). Ihr Tagesgeldkonto wollen 11 Prozent der Wechselwilligen loswerden, beim Festgeld sind es 7 Prozent und bei der Lebensversicherung 2 Prozent.

Übrigens: Laut der Erhebung des DSGV hat jeder vierte Deutsche noch überhaupt keine Maßnahme zur Absicherung seiner finanziellen Zukunft ergriffen. Von diesen 25 Prozent Nicht-Sparern sind aber bereits 7 Prozentpunkte zum Abschluss einer Geldanlage bereit. Der Rest hat sich damit entweder noch nicht beschäftigt (5 Prozent), glaubt daran, dass die gesetzliche Rente ausreichen wird (4 Prozent) oder fühlt sich dazu finanziell nicht in der Lage (9 Prozent).

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