gonetto: „Fast alle Versicherer haben uns gekündigt“

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Die BaFin sieht im Geschäftsmodell von gonetto einen Verstoß gegen das Provisionsabgabeverbot. Dem Maklerunternehmen droht deswegen die Insolvenz. procontra sprach darüber mit gonetto-Geschäftsführer Dieter Lendle.

Glaubt weiter an die Rechtmäßigkeit seines Geschäftsmodells: gonetto-Chef Dieter Lendle.

Glaubt weiter an die Rechtmäßigkeit seines Geschäftsmodells: gonetto-Chef Dieter Lendle. Bild: gonetto

procontra: Das Frankfurter Verwaltungsgericht hat Ihren Eilantrag abgelehnt. Wie haben Sie darauf reagiert?

Dieter Lendle: Wir haben Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt.  

procontra: Wie wollen Sie nun weiter vorgehen?

Lendle: An unserer Einschätzung der rechtlichen Situation hat sich nichts geändert. Die harsche Vorgehensweise der BaFin ist nicht nur ein Schlag gegen gonetto, sondern gegen den Berufsstand des Vermittlers allgemein. Dagegen müssen und werden wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Wir haben in Deutschland aus guten Gründen die Aufteilung zwischen Versicherungs- und Vermittleraufsicht sowie zwischen Bundes- und Landesbehörden.  

procontra: Wie viele Versicherer haben bereits die Zusammenarbeit mit Ihnen beendet? Wollen manche Versicherer weiterhin zu Ihnen halten?

Lendle: Wir haben von fast allen Versicherern Kündigungen erhalten. Einige wenige Versicherer haben den direkten Kontakt zu uns gesucht und zumindest mit Verständnis reagiert. Wir hoffen, dass sie weiter zu uns halten.  

"Sollte gonetto untergehen, kann sich der Kunde einen anderen Vermittler auswählen."

procontra: In dem Eilverfahren hieß es, dass Ihnen durch das Vorgehen der BaFin die Insolvenz drohe. Wie wollen Sie diese verhindern und was haben die von Ihnen betreuten Kunden zu erwarten?

Lendle: Einer der ‚Missstände‘, die die BaFin als Rechtfertigung für Ihr Verwaltungshandeln anführt, ist das Bonitätsrisiko von gonetto. Natürlich besteht ein Risiko für eine Insolvenz und die Vorgehensweise der Behörde hat es massiv erhöht. Trotzdem ist das Risiko für unsere Kunden minimal. Es begrenzt sich auf den Verlust einer Provisionserstattung in einem Jahr, die der Kunde ansonsten sowieso nicht erhalten hätte. Sollte gonetto untergehen, kann sich der Kunde einen anderen Vermittler auswählen.  

procontra: Das Provisionsabgabeverbot soll Verbraucher vor Fehlanreizen durch kurzfristige finanzielle Vorteile schützen und wird von der Aufsicht offenbar sehr streng ausgelegt. Sollten Makler Ihrer Ansicht nach lieber die Finger von diesem ‚heißen Eisen‘ lassen?

Lendle: Die Stärke des gonetto-Geschäftsmodells besteht eben gerade darin, dass keine Fehlanreize bestehen. Anders als sonst üblich bezahlt der Kunde pauschal 12 Euro pro Jahr und Versicherungsvertrag. Damit entfällt der Anreiz, durch Verkauf einer teuren Police möglichst hohe prozentuale Provisionen vom Versicherer zu erhalten. Fehlanreize werden auch vermieden, indem gonetto seinen Kunden die Provisionierungen sowie das pauschale gonetto-Honorar völlig transparent macht. Davon, dass man Kunden zu mehr Geschäft auffordert, geht kein Fehlanreiz aus. Nach dieser Diktion wäre unsere Welt voll von Fehlanreizen, die es zu bekämpfen gälte.

Makler sollten das tun, was ihnen im Rahmen der geltenden Gesetze erlaubt ist. Die These, wonach gonetto ein zugespitztes Geschäftsmodell betreibe, ist unsinnig. Wenn die Straßenverkehrsordnung eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer erlaubt und ich fahre 50 Stundenkilometer, dann spitze ich nicht zu, sondern tue das, was erlaubt ist.

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