Falsch beraten? Unimedizin Greifswald fehlen Millionen bei der Betriebsrente

Berater Panorama von Florian Burghardt

Weil die Betriebsrenten nicht genug abwerfen, muss die Universitätsmedizin Greifswald laut einem Medienbericht die Lücke zu den Versorgungsansprüchen ihrer Mitarbeiter auffüllen. Die Rede ist von Millionen. Auch die Schuldfrage stellt sich.

Wahrscheinlich fehlt es der Universitätsmedizin Greifswald nicht an Patienten, wohl aber an Geld zur Deckung der garantierten Versorgungsansprüche ihrer Mitarbeiter.

Wahrscheinlich fehlt es der Universitätsmedizin Greifswald nicht an Patienten, wohl aber an Geld zur Deckung der garantierten Versorgungsansprüche ihrer Mitarbeiter. Bild: 1662222/Pixabay

Um in Verbindung mit Betriebsrenten von tickenden Zeitbomben zu sprechen, muss schon einiges im Argen liegen. Doch anscheinend ist dies bei der landeseigenen Universitätsmedizin Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern der Fall. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ausführlich berichtet, drohen der Uniklinik mit ihren über 4.000 Mitarbeitern millionenschwere Eigenleistungen, um die garantierten Betriebsrentenansprüche zu erfüllen.

Wie es heißt, war die Universitätsmedizin Greifswald im Jahr 2005 mit den Betriebsrenten seiner Belegschaft von der damals vergleichsweise teuren Versorgungskasse der Länder (VBL) zum DUK Versorgungswerk e.V. gewechselt. Das hätte aus Sicht der Klinik zu Einsparungen geführt.

Schuld seien auch die Provisionen

Durch die geringeren Vorsorgebeiträge entstand aber offenbar eine Lücke zu den garantierten Versorgungsansprüchen der Belegschaft. „Denn die Höhe der Versorgungsansprüche der etwa 2.300 Mitarbeiter des nicht-wissenschaftlichen Personals – beispielsweise Pfleger oder Verwaltungsmitarbeiter – blieb auf dem alten, hohen VBL-Niveau“, heißt es im NDR-Bericht. Außerdem werden sinkende Zinsen am Kapitalmarkt für die zu niedrigen Rentenauszahlungen verantwortlich gemacht. Allerdings bleibt auch ein Seitenhieb auf die Provisionen an die verantwortlichen Makler nicht aus, die in der Anfangszeit der Verträge einen Großteil der Beiträge verschlungen hätten. Genaue Angaben zur Provisionshöhe finden sich im Bericht allerdings nicht.

Der frühere Geschäftsführer der Universitätsmedizin Greifswald, Gunter Gotal, wird diesbezüglich mit einigen „Merkwürdigkeiten“ bei der Vergabe der Verträge an die DUK in Verbindung gebracht. Wie es heißt, hätten externe Gutachter in im Nachhinein angesetzten Prüfungen Unstimmigkeiten ausgemacht. Es sei von Missmanagement und Intransparenz der Finanzlage die Rede.

30 Millionen aus eigener Tasche?

Aktuell würde sich die jährliche Eigenleistung der Uniklinik zum Ausgleich der garantierten Rentenhöhen auf 600.000 Euro belaufen. Wegen voraussichtlichen Steigerungen bei den Deckungslücken und einer einsetzenden Verrentungswelle stünden laut dem Medienbericht nun aber Extrakosten in Höhe von 30 Millionen Euro über die nächsten 10 bis 20 Jahre im Raum. Wie die neue Klinikleitung im Gespräch mit dem NDR erklärte, habe man nun die Reißleine gezogen und die Verträge mit dem Versorgungswerk DUK Ende vergangener Woche gekündigt. Man wolle in Zukunft auf ein nachhaltiges Finanzmodell umstellen. Welche Zusatzkosten sich daraus ergeben, sei noch unklar.

Im DUK-Vorstand sitzt unter anderem Ulrich J. Pfaffelhuber. Er ist Geschäftsführer des bAV-Fachmaklerunternehmens VAF Pfaffelhuber GmbH sowie der VAF Pfaffelhuber KG. Wie das DUK-Versorgungswerk auf seiner Internetseite mitteilt, ist die VAF Pfaffelhuber Unternehmensgruppe im Rahmen des Executive Management mit der Durchführung aller versicherungstechnischen Aufgaben beauftragt.

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