ETFs zum Nulltarif?!

Investmentfonds Top News von Jan F. Wagner

In den USA hat die Fondsgesellschaft Fidelity vier Indexfonds ohne Managementgebühren lanciert. Was sich die Gesellschaft davon verspricht und ob das Beispiel auch in Deutschland Schule machen kann.

Fidelity bringt vier Indexfonds auf den US-Markt, die den Anleger nichts kosten. Wie kann das gehen?

Fidelity bringt vier Indexfonds auf den US-Markt, die den Anleger nichts kosten. Wie kann das gehen? Bild: geralt/Pixabay

Für Privatanleger in den USA ist es eine Sensation. Seit Juli bietet die Fondsgesellschaft Fidelity Indexfonds ohne Managementgebühren an. US-Privatanleger können Anteile an Fidelity-Fonds zeichnen, und müssen der Fondsgesellschaft dafür nichts zahlen.

Die Verwaltungsgebühren für mehrere Indexfonds und ETFs tendieren seit Jahren Richtung null. Der ETF auf den Dax-30 von X-Trackers der Deutschen Bank weist zum Beispiel eine Gebühr von neun Basispunkten pro Jahr auf. Vergleichbare Produkte von Anbietern wie BlackRock oder Amundi sind ebenfalls niedrig bepreist. Das liegt an dem geringen Aufwand, der mit der Abbildung von Leitindizes wie dem Dax-30 oder MSCI World verbunden ist. Der Manager des Indexfonds oder ETF kauft die entsprechenden Titel im Referenzindex und passt das Portfolio an, wenn es im Index zu Veränderungen kommt. Die Performance des Produktes ist ebenso gut und ebenso schlecht wie der Index, den er nachbildet.

Zusatzerträge durch Wertpapierleihe

Doch auch die überschaubaren Aktivitäten des Fondsmanagements von Indexfonds oder ETFs verursachen Kosten. Diese wollen die Anbieter natürlich gedeckt haben. Dazu sagt zum Beispiel X-Trackers: „Ein börsennotierter ETF bringt immer einen bestimmten Aufwand mit sich, wie die Einbindung von Market Makern oder Marketingaufwendungen für den öffentlichen Vertrieb.“ Fidelity bringt jedoch vier Indexfonds auf den US-Markt, die dem Anleger nichts kosten. Wie kann das gehen?

Die Antwort lautet: Durch Zusatzerträge, die die Fondsgesellschaft mit der sogenannten Wertpapierleihe generiert. Bei dem Geschäft kassiert der Fondsanbieter Gebühren für Aktien, die an Leerverkäufer verliehen werden. Mit dem Geschäft ist übrigens ein kleines Risiko verbunden – nämlich dass der Entleiher die Aktien nicht fristgerecht zurückgibt. Dies kann zum Beispiel im Falle einer Insolvenz passieren. Für den Fondsanbieter ist das bestimmt ärgerlich. Die Aktien gehen allerdings nicht verloren.

Seite 1: Die neue „Kostenlos-Strategie“ für Anleger
Seite 2: Indexfonds bleiben kostenlos

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare