ETF: Warum Plusminus beim Thema Sicherheit irrt

Top News Investment-Talk Investmentfonds von Detlef Pohl

ETF spielen in modernen Portefeuilles eine immer größere Rolle. Worauf man dabei achten sollte und warum ETF generell nicht sicher sind, erklärt Finanzplanerin Lisa Hassenzahl, Geschäftsführerin der YPOS Finanzplanung GmbH, im Interview.

Für Finanzberaterin Lisa Hassenzahl grenzt die Berichterstattung in Plusminus, dass ETF sicher sind, an eine Falschaussage.

Für Finanzberaterin Lisa Hassenzahl grenzt die Berichterstattung in Plusminus, dass ETF sicher sind, an eine Falschaussage. Bild: Hassenzahl

procontra: Mit dem IDD-Umsetzungsgesetz wurde eine Angemessenheits- und Geeignetheitsprüfung für Versicherungsanlageprodukte Pflicht. Immer mehr Aktien-ETF finden Aufnahme in Fondspolicen. Doch der Kunde erfährt nicht, dass nach echten und synthetischen ETF unterschieden wird. Ein Problem?

Hassenzahl: In einem ersten Schritt ist dieser Faktor nicht relevant. Zunächst geht es um die Frage, wie viel Risiko für einen Kunden angemessen und geeignet ist. Das ist der Schlüssel zu einer Strategie, die der Kunde langfristig beibehalten kann. In diesem Zusammenhang geht es also erstmal nicht um die konkrete Ausgestaltung des Produkts als „Verpackung“, sondern um den Inhalt. Im Fall von ETF reden wir in der Regel über Aktien oder Anleihen.

procontra: Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus meinte kürzlich, ETF seien sicher, nur bei synthetischen ETF droht Gefahr. Stimmt das?

Hassenzahl: Die Sendung ließ mich in Teilen sprachlos und staunend zurück. Grundsätzlich ist es ein wichtiger Punkt und absolut korrekt, die Anleger auf Risiken synthetischer ETF aufmerksam zu machen. Ich bin allerdings entsetzt darüber, dass in diesem Beitrag ETF mehrfach ausdrücklich als sichere Geldanlagen bezeichnet wurden und nur dann „gefährlich“ seien, wenn sie eine synthetische Nachbildung aufweisen.

procontra: Auf ersten Blick klingt das doch plausibel mit den synthetischen ETF und dem Ausfallrisiko der Swap-Geber? Was stört Sie vordringlich?

Hassenzahl: Grundsätzlich ist die Aussage hinsichtlich der Swap-Thematik nicht falsch, wobei sie etwas undifferenziert dargestellt war. Es ist aber korrekt, dass sich hieraus erst einmal ein Kontrahentenrisiko ergibt. Die Frage ist doch aber, was dieses Risiko genau bedeutet und an welcher Stelle es greift. Wir reden hier um das Risiko, dass ein Zahlungsstrom ausfällt, es wird aber immer so getan, als würde dadurch der ETF an sich wertlos.

procontra: Was stimmt dann nicht?

Hassenzahl: Nicht korrekt ist die mehrfach gefallene Aussage, ETF seien sicher und nur gefährlich, wenn sie synthetisch nachgebildet sind. Als Beraterin dürfte ich eine solche Aussage niemals tätigen, weil ich Schadenersatzforderungen riskieren würde. ETF mit physischer Nachbildung sind nämlich auch nicht sicher. Sie unterliegen den Marktschwankungen, und es ist nicht ungewöhnlich, dass der Markt in einer Krisenphase mal 40 Prozent oder mehr nachgibt. Der Vergleich mit dem Sparbuch in diesem Zusammenhang war von der Redaktion daher nicht gut gewählt.

procontra: Trotzdem empfehlen auch Verbraucherschützer ETF nahezu uneingeschränkt. Warum?

Hassenzahl: In meiner Wahrnehmung vor allem, weil sie günstig sind. Der Siegeszug der ETF begann nach der Finanzkrise und erhält vor allem in den letzten Jahren medialen und nicht zuletzt auch regulatorischen Rückenwind, etwa durch Kostenausweise.

Ich bin gespannt, was die Verbraucherzentralen sagen, wenn wir mal die erste deutliche Korrektur der anhaltenden Hochphase erleben. Wir reden hier über ein Instrument, was zu 100 Prozent den Aktienmarkt abbildet, ohne Netz und doppelten Boden. ETF sind super, aber sie als risikolos zu bezeichnen, das ist die eigentliche Gefahr, die von der Sendung verniedlicht wurde.

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