Deutsche Handelsbank wird zum InsurTech-Finanzierer

Digital Versicherungen von Michael Fiedler

Wer finanziert InsurTechs wie Clark, Simplesurance und Co.? Und von welchen Faktoren können Investoren-Entscheidungen abhängen? Wie sich die Deutsche Handelsbank zum InsurTech-Finanzierer entwickelt.

Clark Finanzierung Insurtech München

Deutsche Handelsbank CEO Daniel Kreis war zuvor für die Allianz tätig. Ein Vorteil bei der Bewertung neuer Geschäftsmodelle im Versicherungsbereich? Bild: Deutsche Handelbank

In der StartUp-Welt gilt die Grundregel: Der Erfolg hängt vom Wachstum ab. Je länger das Unternehmen am Markt besteht, desto größer wird der Wachstumsdruck. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Geldgeber zu finden. Während in der Gründungsphase Venture-Capital-Geber und Business Angels ihre Portfolien noch problemlos mit kleinen Tickets zwischen 100.000 und 250.000 Euro ergänzen, die im Ernstfall auch mal abgeschrieben werden können, steigt die Risikowahrnehmung der Investoren und damit auch die Zurückhaltung mit zunehmender Größe. Während 59 Prozent der befragten Marktteilnehmer des Oliver Wyman Insurtech Radars 2017 die Finanzierungsfrage unter 250.000 Euro als problemlos einschätzen, sinkt die Euphorie im Finanzierungsbereich zwischen 500.000 und 2 Millionen Euro auf 19 Prozent. Im Bereich über zwei Millionen Euro rechnet nur noch jeder Zehnte mit Erfolg.

Anscheinend ist dieses Kunststück nun dem InsurTech Clark geglückt. Die Deutsche Handelsbank meldete den Abschluss einer Working-Capital-Finanzierung des Versicherungsmanagers. Zwar wurde nichts über die Höhe der Kreditlinie kommuniziert, wohl aber erfuhr man den Finanzierungszweck: Das Geld wurde überwiegend für den Kauf des saarländischen Versicherungsmaklers Malburg GmbH verwendet. Über die Deutsche Handelsbank ist zumindest bekannt, dass Sie Working-Capital-Finanzierungen – also klasssische Darlehen – bis zu einer Höhe von 5 Millionen Euro vergibt.

Die Deutsche Handelsbank scheint sich langsam als InsurTech-Finanzierer zu etablieren, denn Clark ist nach Simplesurance bereits das zweite Versicherungsunternehmen, das von den Spezialbankern finanziert wurde. Ob der Unternehmensssitz der Banker im InsurTech-Hub München eine Erklärung dafür bietet, ist fraglich: Simplesurance sitzt in Berlin, Clark ist in Frankfurt beheimatet. Überzeugender dürfte wohl eher ein Blick auf die Herkunft des Handelsbank-CEOs Daniel Kreis sein, der unter anderem auch für die Allianz tätig war, das Versicherungsgeschäft also offenbar kennt. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wie auch die Autoren der Oliver Wyman-Studie bestätigen: „Fast die Hälfte (47 Prozent) spricht den professionellen Investoren das branchenspezifische Wissen glattweg ab“, heißt es darin. Skepsis beherrscht also sowohl die Geber- als auch die Nehmerseite.

Kreis wies vor dem Hintergrund der Clark-Finanzierung darauf hin, „…disruptive Geschäftsmodelle auf ihre Nachhaltigkeit hin zu bewerten“. Ohne seine Allianz-Vergangenheit hätte ihm das bei Clark vermutlich niemand geglaubt. Clark-CEO Dr. Christopher Oster kommentiert die Finanzierung daher auch: „Für unsere weitere Entwicklung arbeiten wir nun mit der Deutschen Handelsbank zusammen, weil sie unser Geschäftsmodell versteht“.

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