Beraterhaftung: Makler fragen, Schwintowski antwortet

Berater Recht & Haftung Top News von Sebastian Wilhelm

In einem profino-Webinar ging Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski, juristischer Experte rund um die Versicherungsvermittlung, kürzlich auch auf Teilnehmerfragen zum Thema Haftung ein. Seine Antworten sind für viele Vermittler relevant.

Klärt Makler zu rechtlichen Fragen rund um die Versicherungsvermittlung auf: Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski.

Klärt Makler zu rechtlichen Fragen rund um die Versicherungsvermittlung auf: Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski. Bild: Schwintowski

Maklerfrage: Wie ist die Idee einer Tonaufnahme des Beratungsgesprächs anstelle einer schriftlichen Dokumentation zu bewerten?

Schwintowski: Eine gute Frage und auch eine gute Idee. Die Aufnahme hat ja den großen Vorteil, dass man sie sich hinterher anhören kann. Im Gesetz steht nicht, dass die Dokumentation in Schriftform erfolgen muss, das darf auch per Tonaufnahme sein. Sie können eventuell später vor einer Frage stehen: Wenn es zum Schwur kommt vor Gericht, werden Tonaufnahmen häufig nicht als Beweis akzeptiert; es sei denn, es ist so eine Art Urkunde. Deswegen würde ich immer sagen, ja, eine Tonaufnahme ist prima – und am Schluss noch kurz eine Unterschrift: „Dieser Ton wurde am Soundsovielten im Beisein von Herrn oder Frau Sowieso aufgenommen, was hiermit durch Unterschrift bestätigt wird.“ Dann haben Sie beides in der Tasche, und ich glaube, dann ist es wasserdicht.

Maklerfrage: Was genau ist der Unterschied zwischen „Execution only“ und der zweiten Ausnahme, es geht doch beides um Beratungsverzicht?
KONTEXT: Zwei Ausnahmen beschränken die Pflichten des Maklers: 1. Der Versicherungsnehmer wünscht ausdrücklich keine Beratung oder weiterführende Informationen (Execution only). Dieser Wunsch sollte in Textform (Unterschrift) dokumentiert werden. 2. Der Versicherungsnehmer verzichtet auf Informationen/Beratung (Paragraf 60 II VVG). Beim Informationsverzicht ist eine eigenhändige Unterschrift nötig (Schriftform). Der Beratungs- und Dokumentationsverzicht im Netz ist in Textform möglich.

Schwintowski: Die Frage ist völlig berechtigt. Es scheint eigentlich gleich zu sein, der Unterschied ist ganz schlicht folgender: Bei „Execution only“ sagt der Kunde, ich weiß, was für eine Versicherung das ist, ich brauche keine Beratung. Beim Verzicht sagt der Kunde, ich weiß nicht genau, was für eine Versicherung das ist, ich verzichte aber trotzdem auf die Beratung.

Weitere hilfreiche Antworten, etwa in Bezug auf die Geschäftsführerhaftung oder die juristischen Feinheiten bei der Absicherung von Großrisiken finden sich im vollständigen Artikel in der aktuellen procontra-Printausgabe. 

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