Wie wird man BU-Risikoausschlüsse und -zuschläge wieder los?

BU-Vorsorge von Sebastian Wilhelm

Aus verständlichen Gründen schließen Berufsunfähigkeitsversicherer manche Vorerkrankungen samt möglichen Folgen aus dem Deckungsumfang aus – oder verlangen für das erhöhte Risiko einen Zuschlag. Versicherte können dies bei Besserung rückgängig machen.

Berufsunfähigkeitsversicherer verlangen bei erhöhtem Risiko einen Zuschlag. Bild: shutterstock.com/ Hyejin Kang

Die Anlässe können vielfältig sein und werden nicht von allen Anbietern gleich bewertet: Kreislaufleiden, orthopädische Erkrankungen, Störungen der Verdauungsorgane, Asthma, ein hoher Cholesterinspiegel, Allergien, Epilepsie oder Stoffwechselerkrankungen sind für Berufsunfähigkeitsversicherer keine Bagatelle. Liegt bei einem Antragssteller eine solche Vorerkrankung vor, steigt naturgemäß das Leistungsfallrisiko. Daher sichern sich die Assekuranzen ab, indem sie die heiklen Leiden entweder aus dem Versicherungsschutz ausklammern oder einen Prämienzuschlag verlangen.

Dies wiederum stellt auch für die Versicherten keine Bagatelle dar. Denn ein Loch im Versicherungsschutz ist riskant, zumal sich über Ursache und Wirkung im Leistungsfall lange streiten lässt. Ein Beispiel: Wenn ein Antragssteller das Volksleiden Knick-Senk-Spreizfuß, landläufig Plattfuß genannt, aufweist, kann der Versicherer es „einschließlich eventuell eintretender Folgen“ ausschließen. Die möglichen Folgeerkrankungen reichen aber von den Knien über Hüfte und Rücken bis zu Schultern und Nacken. Am Ende ist dann quasi der gesamte Bewegungsapparat ausgeschlossen. Ein Risikozuschlag wiederum kann den Versicherungsschutz wesentlich verteuern, unter Umständen um bis zu 50 Prozent.

Versicherte haben gesetzlichen Anspruch auf Rücknahme

So mancher Kunde entscheidet sich gegen den angebotenen BU-Vertrag, wenn Risiken ausgeschlossen oder mit höherer Prämie kompensiert werden. Je nach Heilungsaussichten ist das jedoch ein vorschneller Schritt – denn wenn die Vorerkrankung auskuriert wird, kann auch der entsprechende Ausschluss oder Zuschlag entfallen. Die Versicherer sind verpflichtet, eine solche Besserung zu berücksichtigen. So heißt es in Paragraf 41 Versicherungsvertragsgesetz:

„Ist wegen bestimmter gefahrerhöhender Umstände eine höhere Prämie vereinbart und sind diese Umstände nach Antragstellung des Versicherungsnehmers oder nach Vertragsschluss weggefallen oder bedeutungslos geworden, kann der Versicherungsnehmer verlangen, dass die Prämie ab Zugang des Verlangens beim Versicherer angemessen herabgesetzt wird. Dies gilt auch, wenn die Bemessung der höheren Prämie durch unrichtige, auf einem Irrtum des Versicherungsnehmers beruhende Angaben über einen solchen Umstand veranlasst worden ist.“

Der Paragraf stellt zwar nur auf einen Risikozuschlag ab, doch analoge Rechte haben die Versicherten bei Risikoausschlüssen. Als Grundlage einer solchen Vertragsänderung werden in der Regel eine ärztliche Bescheinigung und eine Selbstauskunft benötigt, um die „fortdauernde Behandlungs- und Beschwerdefreiheit“ nachzuweisen. Makler sollten ihre BU-Kunden auf diese Möglichkeit aufmerksam machen – und ihnen so doch noch zu einem vollwertigen und günstigen Berufsunfähigkeitsschutz verhelfen.

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