Kurssturz bei Facebook: "Es musste so kommen"

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Die Technologie-Hausse geht weiter, ist Fondsmanager Andreas Dagasan (Bantleon) überzeugt. Warum er trotzdem nicht in Facebook, Apple oder Google investiert, erklärt er im procontra-Interview.

Aktien Facebook Technologie Fonds

Investiert in Technologie-Aktien, verzichtet aber auf Papiere von Facebook, Twitter oder Amazon: Fondsmanager Andreas Dagasan. Bild: Bantleon

procontra: Die Facebook-Aktie ist im Juli wegen unerwartet schlechter Geschäftszahlen deutlich gefallen. Hat Sie der Kurssturz überrascht?

Andreas Dagasan: Der Aktienkurs von Facebook ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Ein Rücksetzer musste früher oder später kommen. Mich hat allerdings das Ausmaß der Korrektur überrascht. Solange das Geschäftsmodell von Facebook funktioniert, müssen sich Facebook-Aktionäre aber keine großen Sorgen machen.

procontra: Funktioniert es denn noch? Facebook musste zuletzt viel Kritik einstecken.

Dagasan: Sie meinen die Probleme rund um den Datenschutz. Die haben zwar zu Negativ-Schlagzeilen geführt, hatten aber keinen allzu großen Einfluss auf die Umsätze von Facebook. Das größte Risiko für soziale Netzwerke ist, dass ihre Nutzer sehr spontan handeln und kurzfristig zu einem anderen Netzwerk umziehen könnten. Vor einigen Jahren gab es viele soziale Netzwerke, von denen heute niemand mehr spricht.

procontra: Ist das auch der Grund, warum Sie mit Ihrem Technologiefonds nicht in Aktien von Social-Media-Konzernen investieren?

Dagasan: Wir halten Facebook nicht für ein schlechtes Investment. Aber wir investieren ausschließlich in produktivitätsfördernde und industrielle Technologien. Das unterscheidet uns von den meisten anderen Technologiefonds, die sich eher auf die konsumorientierten Unternehmen im US-Technologieindex Nasdaq konzentrieren.

procontra: Warum haben Sie einen anderen Ansatz gewählt?

Dagasan: Konsumorientierte Technologien sind schnelllebig. Schauen Sie sich zum Beispiel Smartphones an: Da kaufen sich Kunden alle zwei Jahre ein neues Gerät, aber von welchem Hersteller das stammt, kann sich rasch ändern. Der Fall Nokia hat gezeigt, wie schnell auch Marktriesen plötzlich unter Druck kommen können. Das ist bei industriellen Technologien anders. Dort gibt es viel längere Investitionszyklen und auch deutlich langfristiger orientierte Kunden.

procontra: Hätten Ihre Kunden nicht manchmal doch gern Apple oder Netflix im Portfolio?

Dagasan: Es gibt ja viele klassische Technologiefonds, die sich auf Lifestyle und Social Media konzentrieren, und die in der Folge übrigens zu 80 oder 90 Prozent in US-Aktien investiert sind. Wer einen solchen Fonds haben will, wird anderswo fündig. Wir wollten keine bestehenden Produkte klonen. Unsere Prognose ist, dass sich die kreative Zerstörung, die Disruption, die wir in der Technologiebranche sehen, in den kommenden zehn bis 15 Jahren in anderen Wirtschaftszweigen bemerkbar machen wird. Davon wollen wir profitieren. Wer da nicht an Bord ist, wird in einigen Jahren meiner Ansicht nach ähnlich dastehen wie jene, die die technologischen Entwicklungen im Konsumsektor in der vergangenen Dekade verpasst haben.

Gekürzte Fassung. Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden procontra. Jetzt Abo sichern.

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