Fintech oder Mensch - Wer berät besser?

Investmentfonds von Swen Köster

 

Einem menschlichen Berater wird unterstellt, dass er Entscheidungen anders trifft als eine Maschine, bei der man Objektivität annimmt. Und „objektiver“ wird mit „besser“ gleichgesetzt. Doch hier liegt die große Fehleinschätzung. Maschinen entscheiden nicht besser, sondern standardisierter. Sie können große Datenmengen analysieren und Muster finden, aber nicht die Gefühle der Kunden erkennen. Aber vor allem: Berater setzen Maschinen schon lange ein, fügen aber noch die menschliche Zutat hinzu.  

Das ist der große Vorteil des Menschen als Berater: Er ist sich seiner eigenen Fehlbarkeit bewusst und bezieht eigene Verhaltensweisen in sein Kalkül mit ein. Etwa die Tatsache, dass Menschen eben nicht wie Maschinen denken. Sie handeln irrational, lassen sich von Stimmungen leiten und machen so auch Fehler. Ein Beispiel: Privatanleger verdienen mit ihren Anlagen deutlich weniger als die Märkte hergeben. Das zeigt unter anderem die Dalbar-Studie von 2016. Obwohl etwa der US-Aktienmarkt über die vergangenen 30 Jahre jährlich 11,6 Prozent Ertrag lieferte, erreichte der Durchschnittsanleger nur ein Plus von 3,8 Prozent. Die Gründe sind vor allem An- und Verkäufe zum falschen Zeitpunkt, zu geringe Diversifikation und das Befolgen von Tipps – alles womöglich noch im Herdentrieb.  

Die entscheidende Zutat  

Eine Berater-Maschine kann Menschen kaum vor solchen Irrationalitäten bewahren. Ein Mensch, der die Verlockungen und Versuchungen selbst kennt, kann das sehr wohl. Seine Leistung besteht darin, seine Erfahrungen weiterzugeben, sich im besten Sinne zu kümmern. Das ist die Zutat, die weit über die Leistung von Fintechs hinausreicht.  

Und zum Thema Leistungsfähigkeit der Anlage: Fintechs mit ihren ETF-Portfolios sind in steigenden Märkten gut, weil sie Kosten herausnehmen und fast die Marktrendite liefern. In stagnierenden Märkten kosten sie nur und in fallenden laufen sie ungebremst mit nach unten. In diesem Fall wäre es deutlich besser, ein aktives Management mit etwas höheren Kosten zu haben, das den Fall bremst und auch in schwierigen Märkten für eine gute Performance sorgt: Optimalerweise stark diversifiziert, auf Grundlage der maschinellen Vorarbeit und nicht von einem Starfondsmanager abhängig.  

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