DIW: Betriebsrenten wirken - Riester nicht

Berater Top News von Michael Fiedler

Reicht der Vorsorgemix aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge aus, um den aktuellen Konsum auch nach Renteneintritt zu decken? Das untersuchte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW). Wie groß die Lücke zwischen Anwartschaften und privaten Konsum ist und welche Rückschlüsse die Forscher ziehen.

Versorgungsluecke, Rente, Altersvorsorge

Vorsicht, Absturzgefahr! Wie groß die Lücke zwischen Rentenbezügen und Konsum ist. Bild: Shutterstock / AleMasche72

Die Untersuchung des DIW betrifft die rentennahen Jahrgänge (1948 bis 1957), die aber zu dem Zeitpunkt nicht bereits verrentet, arbeitslos oder anderweitig nicht erwerbstätig waren. Die Studie (liegt procontra vor) beschreibt, wie sich die finanzielle Situation dieser Gruppe ändern würde, wenn sie heute in Rente gingen.

Rund 90 Prozent der rentennahen Jahrgänge haben Anwartschaften an die GRV, 36 Prozent an Betriebsrenten und acht Prozent an die Beamtenversorgung. Insgesamt beliefen sich die Brutto-Anwartschaften – also die erwartete monatliche Rentenzahlung – im Jahr 2012 auf monatlich 1 230 Euro. Davon entfielen 68 Prozent auf die GRV, 18 Prozent auf Beamtenpensionen und 14 Prozent auf Betriebsrenten.

Konsum größer als Anwartschaften

Um abzuschätzen, wie groß die Versorgungslücke ist, unterstellten die Forscher den aktuellen Pro-Kopf-Konsum. Dabei wird vernachlässigt, dass bei Renteneintritt der Konsum in der Regel geringer ausfällt als zuvor, da einige Kosten, zum Beispiel für das Pendeln zur Arbeit, entfallen. Allerdings steigen auch andere Kosten; etwa für Gesundheit und Pflege.
Den Ergebnissen der Berliner Forscher zufolge, ist bei 58 Prozent der rentennahen Jahrgänge ist der aktuelle Konsum größer als die erworbenen Rentenanwartschaften aus der verpflichtenden ersten und zweiten Säule der Alterssicherung. Liegen nur Anwartschaften aus der Gesetzlichen Rentenversicherung vor, so steigt der Anteil auf 69 Prozent.

Betriebsrenten wirken

Bestehen auch Ansprüche aus Betriebsrenten, so sinkt dieser Anteil auf 50 Prozent. Bei Beamten fällt der Anteil mit weniger als einem Fünftel deutlich geringer aus. Dies erklärt sich daraus, dass das Versorgungsniveau der Pensionen deutlich höher ist als in der GRV. Besonders groß ist die Kluft zwischen aktuellem Konsum und Rentenanwartschaften bei Einpersonenhaushalten, bei Frauen, un- und angelernten Beschäftigten sowie Selbständigen.

Betrachtet man nur Anwartschaften aus der ersten und zweiten Säule der Alterssicherung, beträgt die durchschnittliche Größe der potentiellen Versorgungslücke 44 Prozent des aktuellen Konsums; das würde einem Wert von rund 700 Euro pro Monat entsprechen.
Am größten ist die Lücke bei Personen, die nur Anwartschaften in der GRV haben. Hier beträgt die Lücke 50 Prozent des aktuellen Konsums, was etwa 740 Euro entspricht. Betriebsrenten reduzieren die Versorgungslücke auf ein Drittel (620 Euro).
Bei Beamten fällt die Lücke mit einem Drittel relativ gering aus. Werden auch private Versicherungen hinzugezogen, reduziert sich die potentielle Versorgungslücke nur geringfügig von 44 Prozent auf 41 Prozent der Betroffenen (von 700 auf 650 Euro).

Versorgungslücke: 290 Euro mit privaten Versicherungen

Mit einer potenziellen Versorgungslücke von 700 Euro lässt sich bestens schlagzeilen. Die Zahlen relativieren sich allerdings, wenn ein Sicherungsziel von 70 Prozent des bisherigen Konsums angestrebt wird. Die potentielle Versorgungslücke beträgt dann nur 28 Prozent (320 Euro). Zieht man dann private Versicherungen hinzu, schrumpft die Lücke auf 25 Prozent (rund 290 Euro). Insbesondere Beschäftigte mit einer betrieblichen Altersvorsorge hätten dann nur noch eine geringe potentielle Versorgungslücke.

Dritte Säule trägt zu wenig

Dennoch legen sich die DIW-Forscher fest: Die privaten Versicherungen tragen zu wenig bei, um die Versorgungslücke zu schließen. Die Forscher erklären das damit, dass die durchschnittlich eingezahlten Beiträge zu gering seien und das erreichte Sparguthaben auch aufgrund geringer Verzinsung insbesondere bei Riester- beziehungsweise Rürup-Renten eher klein ausfällt.

DIW rät zum Blick nach Österreich

Das DIW nennt eine Reihe von Instrumenten, die der Politik zur Verfügung stünden, um die Versorgungslücke zu verkleinern. So sollte nach Ansicht des DIW ein weiteres Absinken des Rentenniveaus begrenzt werden. Dabei solle man sich stärker am österreichischen Modell orientieren, das stärker auf die erste Säule setzt. Auch das Äquivalenzprinzip (höhere Einzahlungen führen zu höheren Anwartschaften) könnte zugunsten von Geringverdienern aufgeweicht werden. Zudem könnte die Beitragsbemessungsgrenze aufgehoben werden und/oder der Kreis der Versicherten ausgeweitet.
Die Forscher raten außerdem dazu, bessere Anreize zur Bildung privaten Vermögens zu setzen, zum Beispiel durch eine Umleitung der staatlichen Zuschüsse für Riester-Renten in Richtung eines kapitalgedeckten Modells wie des Schwedenfonds oder der Deutschlandrente.

Über die Studie:
Empirische Grundlage sind die vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Kantar Public erhobenen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). In den SOEP-Daten werden neben Fragen zur Höhe der bereits erworbenen individuellen Anwartschaften an Alterssicherungssysteme auch Informationen über das individuelle Vermögen erhoben. Zudem wird der private Konsum berechnet.

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