DAX: Commerzbank ist raus

Investmentfonds Investment-Talk von Michael Fiedler

Die Commerzbank ist nicht mehr im deutschen Leitindex DAX vertreten. Ersetzt wird das Gründungsmitglied durch den Technologie- und Finanzdienstleister Wirecard. Was das über den deutschen Bankenmarkt aussagt, beantwortet Andre Schettler, Portfolio Manager im Asset Management der Bank für Kirche und Caritas (BKC).

Dax Commerzbank Wirecard

Portfoliomanager Andre Schetter über das Ausscheiden der Commerzbank aus dem DAX. Bild: BKC

procontra: Die Commerzbank als Gründungsmitglied muss wahrscheinlich den DAX verlassen und Wirecard Platz machen, die Deutsche Bank muss den EuroStoxx 50 verlassen. Was sagt das nach Ihrer Meinung über den deutschen Bankenmarkt aus?

Andre Schettler: Es zeigt sich, dass die deutschen Banken den Anforderungen einer globalisierten und komplexer werdenden Wirtschaft nicht gerecht und von ihren angelsächsischen Konkurrenten abgehängt werden. In den USA wurde alles getan, um den Banken wieder auf die Beine zu helfen. Es gab regulatorische Unterstützung vor allem nach der Wahl von Trump und eben auch keine Währungskrise. Denn den Anschluss haben deutsche Institute endgültig nach Ausbruch der Euro-Krise 2011/2012 verloren. Das ist auch ein Beleg, wie fragil die Basis ist, auf der die Gemeinschaft des Euros fußt. Dazu kommen hausgemachte Probleme: Für die Commerzbank kam die Übernahme der Dresdner Bank zu einem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Und am Beispiel der Deutschen Bank wird offensichtlich, wie wichtige eine gute Corporate Governance ist.

procontra: Ist die Zeit der großen Universalbanken vorbei und beginnt jetzt das Zeitalter der FinTechs?

Schettler: Die FinTechs sind ohne Zweifel auf dem Vormarsch. Jugendliche und junge Erwachsene wissen heute teilweise gar nicht mehr, wie eine Bankfiliale von innen aussieht. Diese Unternehmen haben das Potenzial, Marktanteile, von den großen Banken abzuschöpfen. Aber sie müssen bei der Kundenakquise oft bei null anfangen, was extrem kostenintensiv ist. Dagegen besitzen Großbanken bereits große Kundenpools und können daher neue Technologien schnell massentauglich machen – auch wenn sie für die Einführung manchmal etwas länger brauchen.

procontra: Wie sehen Sie den europäischen Bankenmarkt, denn Banken bilden ja ein Schwergewicht in den europäischen Aktienindizes?

Schettler: Auf Basis des StoxxEurope600 Banks Index weisen nur sehr wenige Banken per heute eine positive Performance seit dem Hoch vor der Lehman-Krise aus (Zeitraum: 31.05.2007 bis 31.08.2018). Am besten abgeschnitten haben noch die Skandinavier: DNB, Svenska Handelsbanken oder Nordea. Aber hierunter findet sich eben keine Bank aus dem Euroraum! Immerhin haben alle französischen Banken - Societe General, Credit Agricole, Natixis, BNP Paribas - die heute noch im Index vertreten sind, in diesem Zeitraum besser abgeschnitten als die Commerzbank (-96,3%) oder die Deutsche Bank. (-88,9%). Letztlich hängt aber auch die Zukunft der französischen Institute stark von der Zukunft des Euros bzw. des Euroraums ab. Erst im Krisenfall (Italien) wird man sehen, inwieweit ihre Verfassung wirklich besser ist. Bis dahin bleiben europäische Bankenwerte sicherlich ein sehr volatiles Investment.

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