Cyber-Policen: Schwierigkeiten beim Schadennachweis

Berater Top News von Detlef Pohl

Über neue Angebote von Cyber-Policen hat procontra wiederholt berichtet. Welche Probleme rund um IT-Sicherheitsrisiken noch zu lösen sind, wurde zu Wochenbeginn bei einem versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin beleuchtet.

Roman Potyka (Hiscox) sprach sich vorgestern beim versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin für eine sinnvolle Absicherung von IT-Risiken in jeder Firma aus. Bild: Pohl

Geladen hatte der Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin zu seinem 40. versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch. Die Absicherung von IT-Sicherheitsrisiken durch moderne Cyber-Versicherungen stand auf dem Prüfstand. Erwartungsgemäß sprach sich das Podium für den Schutz von Industrie und Gewerbe gegenüber Cyberrisiken aus.

„Ein Großteil der Unternehmen sind „Cyber-Anfänger. Meist fehlt es an einer umfassenden Cyber-Strategie, obwohl die interne und externe Bedrohungslage anhält“, sagte Roman Potyka, Underwriter „Berufliche Risiken“ bei Hiscox Insurance Company Ltd., Niederlassung für die Bundesrepublik Deutschland. Den Beweis führte er mit zahlreichen Daten aus dem „Hiscox Cyber Readiness Report 2018“, für den das Marktforschungsinstitut Forrester Consulting im Auftrag von Hiscox insgesamt über 4.000 Führungskräfte, Abteilungsleiter, IT-Manager und andere Verantwortliche für Cyber-Sicherheit von Unternehmen auch in Deutschland, befragt hat.

Demnach haben 48 Prozent der über 1.000 befragten deutschen Firmen 2017 mindestens einen Cyber-Zwischenfall erlebt. „Wer zur Zielscheibe wird, hat dabei nichts mit der Unternehmensgröße zu tun“, so Potyka. Bei kleinen und mittleren deutschen Unternehmen betrug der Schaden im Schnitt 46.000 Euro, bei Großunternehmen 342.000 Euro.

Fast jede zweite Firma ändert nichts nach Zwischenfall

Dennoch geben 45 Prozent der deutschen Unternehmen an, dass sich nach einem Cyber-Zwischenfall nichts geändert hat. Dass eine Cyber-Versicherung nicht nur für den entstandenen Schaden zahlt, sondern vielmehr als Partner Soforthilfe im Krisenfall bietet, wird Firmen zunehmend bewusst. In der Umfrage gaben 33 Prozent an, dass ihre Firma über eine Cyber-Versicherung verfügt. Weitere 25 Prozent planen zudem, in den kommenden zwölf Monaten eine Cyber-Police abzuschließen. Das Leistungsprogramm des internationalen Spezialversicherers Hiscox umfasst bei beruflichen Risiken auch Cyber-Versicherungen.

Doch was sind die wichtigsten IT-Sicherheitsrisiken? „Es geht vor allem um höhere Gewalt, organisatorische Mängel, menschliche Fehlhandlung, technisches Versagen und vorsätzliche Handlungen“, erklärte John Philipp Seebohm, Berater und Auditor für Cyber-Risiken und IT-Sicherheit der Funk-Gruppe.

Funk ist nach eigener Ansicht einer der führenden Versicherungsmakler und Risikoberater in Europa mit deutschen Wurzeln. Kurz gesagt gehe es bei Cyber-Risiken vor allem um schadhafte elektronische Ereignisse, die die Störung des Unternehmensbetriebs und einen monetären Verlust bewirken.

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