Betriebsrente: Aktuelle Vertriebsansätze für Makler

Berater Top News von Detlef Pohl

Versicherungsmakler können in Sachen bAV vorerst nicht mit dem Sozialpartnermodell punkten. Auch der neue Chemie-Tarifabschluss enthält keinen Ansatz. Dafür steigen die Chancen mit der „alten“ bAV, zeigte der Fachkongress „Der Neue Finanzberater“.

Zu den Chancen für Makler mit der „alten“ bAV diskutierten auf einem Fachkongress Matthias Ulbrich, Karsten Lewe, Detlef Pohl, Claudia Tüscher, Udo Niermann und Frank Tengler-Marx (v.l.n.r.).

Zu den Chancen für Makler mit der „alten“ bAV diskutierten auf einem Fachkongress Matthias Ulbrich, Karsten Lewe, Detlef Pohl, Claudia Tüscher, Udo Niermann und Frank Tengler-Marx (v.l.n.r.). Bild: ©Frankfurt Business Media/Andreas Varnhorn

„Die Gewerkschaften scheuen sich noch vor dem Sozialpartnermodell (SPM), weil ihnen Tarifabschlüsse beim Barlohn stets wichtiger sind als Versorgungslohn über eine betriebliche Altersversorgung (bAV)“, sagte Dr. Udo Niermann auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Neue Chancen in der ‚alten‘ bAV“ auf dem kürzlich abgehaltenen Kongress „Der Neue Finanzberater“ in Hanau. „Ich rechne mit den ersten SPM-Abschlüssen der Tarifpartner nicht vor 2020“, so der Partner beim bAV-Beratungshaus Mercer Deutschland.

Niermanns Prognose bestätigte sich schnell: Der neue Tarifabschluss für die Chemie- und Pharmaindustrie am 20. September 2018 brachte nicht einmal eine Absichtserklärung oder ähnliches in Sachen SPM. Damit enttäuschte die als baV-affin geltende Chemiebranche genauso wie schon im Februar die Metallindustrie. Auch im neuen Metall-Tarifvertrag, der bis März 2020 läuft, suchte man das Thema bAV vergebens. Womöglich kommt zum Gewerkschaftstag der IG Metall im Herbst 2019 etwas Neues in Sachen SPM, so die Hoffnung des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall kurz nach dem Tarifabschluss im Online-Branchendienst LEITERbAV.de.

Wann sich Betriebsrente lohnt

Planmäßig befasste sich die Podiumsdiskussion mit den Chancen der „alten“ bAV. „Sie lohnt sich praktisch immer“, erklärte der auf bAV spezialisierte Arbeitsrechtler Professor Dr. Mathias Ulbrich von der Fakultät für Wirtschaftsrecht der Hochschule Schmalkalden. Allerdings habe das Bundesverfassungsgericht schon im Jahr 2000 die Doppelverbeitragung für Betriebsrentner bestätigt (Az.: 1 BvL 16/96), relativierte Ulbrich, zugleich auch Of Counsel für bAV bei der Kanzlei BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte.

Das Gericht verpflichtete den Gesetzgeber, freiwillig und gesetzlich versicherte Rentner bei der Beitragserhebung gleich zu behandeln, und hatte angeregt, dabei sämtliche Einnahmen der Versicherten mit einzubeziehen. Folge: Wer Entgeltumwandlung bis zur neuen steuerfreien Höchstgrenze von 8,0 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (West) nutzt, muss sich auf eine empfindliche Doppelbelastung seiner Betriebsrente durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge einstellen, da im Alter dann der volle Beitragssatz fällig wird. „Die Leistung schmälert sich dadurch im schlimmsten Fall um über 18 Prozent“, hat Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten ausgerechnet.

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