Was die Branche von der Kfz-Versicherung lernt

Versicherungen von Michael Fiedler

Der digitale Wandel beschäftigt die Versicherungsbranche. Wo künftige Wettbewerber herkommen und was die Branche von Kfz-Versicherern lernen kann.

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Wie sieht die Zukunft der Versicherungsbranche aus? Vincent Wolff-Marting, bei den Versicherungsforen Leipzig zuständig für Digitalisierung und Innovation, stellte Studienergebnisse vor. Bild: procontra-Archiv

Welche Rolle spielen Versicherungen in einer digitalen Welt? Wie werden sich Geschäftsmodelle anpassen (müssen) und in welche Richtung verschiebt sich das Wettbewerbsumfeld?
Diesen Fragen ging eine Untersuchung des Softwareherstellers Adcubum in Zusammenarbeit mit den Versicherungsforen Leipzig nach.

Ein zentrales Ergebnis: Kooperationen werden zunehmen. Beispiele für unterschiedlichste Kooperationen zwischen Versicherern gibt es bereits – etwa im bAV-Bereich oder zwischen Krankenversicherern.
Doch die künftigen Kooperationen werden sich davon unterscheiden. Grund dafür: Laut Studie wird sich die Produktlandschaft von Versicherern ändern. Datenbasierter und individualisierbarer Versicherungsschutz werde die Produkte der digitalen Transformation prägen. Und dafür braucht es andere Kooperationspartner. „Die Erstellung von solchen hochkomplexen Versicherungsprodukten erfordert eine Reihe spezialisierter Akteure aus ganz unterschiedlichen Branchen. In Zukunft werden wir es daher vermehrt mit Wertschöpfungsnetzwerken zu tun haben, in denen die Assekuranzen mit vielen Marktteilnehmern kooperieren werden“, sagt Vincent Wolff-Marting, Leiter Kompetenzteam Digitalisierung und Innovation bei den Versicherungsforen Leipzig.

Was es von Kfz-Versicherern zu lernen gilt

Unternehmen, die über umfangreiche Daten verfügen, seien geeignete Partner, so die Untersuchung. Beispielhaft wurden Automobilhersteller genannt, die das Fahrverhalten ihrer Kunden auswerten. Den Versicherern bliebe dann die Rolle des Risikoträgers im Hintergrund, der vornehmlich mit Bestandsverwaltung und Schadenabwicklung betraut ist. Gerade mit letzterem, der Schadensteuerung, macht Huk-Coburg im Kfz-Bereich beste Erfahrungen.
„Die Kfz-Branche hat es vorgemacht. Mit Versicherungsprodukten und Garantien, die als Zusatzleistung zum Kaufvertrag angeboten werden“, so Dr. Holger Rommel, COO der Adcubum AG. Durch die zunehmende Digitalisierung werde sich dieser Trend noch weiter fortsetzen. Immer mehr physische Produkte werden durch datenbasierte Dienste ergänzt und erweitert. „Anbieter von smarten Heizungen können schon heute anhand der übermittelten Informationen den optimalen Zeitpunkt für den nächsten Wartungstermin festlegen. Der Schritt zu einer individuellen Wärmegarantieversicherung auf Datenbasis ist da nicht mehr weit. Die Versicherer werden sich stärker digitalisieren müssen, um flexibel auf diese Veränderungen reagieren zu können“, so Rommel weiter.

Dabei werden sich die Assekuranzen aber auch auf ein geändertes Marktumfeld einstellen müssen. Künftige Mitbewerber seien laut Studie weniger im Lager der Versicherer zu finden, sondern eher in den Bereichen Handel, Telekommunikation, Gebäudetechnik und eben Automotive.

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