Warum Versicherungsmakler nichts mit Eisverkäufern gemein haben

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Der bekannte Finanzanalytiker Volker Looman hat zu einem Rundumschlag gegen geldgierige Finanzberater, deren mangelhafte Qualifizierung und fehlende Zulassung ausgeholt und vergleicht sie mit Eisverkäufern. Warum das unsinnig ist, erklärt Detlef Pohl im Kommentar.

So wie Eisverkäufer „minderwertige“ Ware anbieten können, soll laut FAZ die Finanzindustrie mit Hilfe geldgieriger Verkäufer fragwürdige Produkte in Umlauf bringen dürfen, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Bild: faz.net/Plainpicture

Der Journalistenkollege und Finanzanalytiker Volker Looman kann nicht nur wunderbar schreiben, sondern beherrscht auch noch gnadenlos gut die Finanzmathematik. Das macht ihn als Kolumnisten so wertvoll. Vor einer Woche hatte er es in der F.A.Z. allerdings nur mit dem Schreiben und gar nicht mit dem Rechnen. Dem Leser sollte klargemacht werden, was der Bankberater mit dem Eisverkäufer gemeinsam hat. Es ging um die mangelhafte Qualität der Finanzberatung in Deutschland. Die ist durchaus noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen und muss deswegen auch berechtigte Kritik einstecken.

So weit, so gut. Doch Looman schüttete dieses Mal das Kind mit dem Bade aus. Mehrere Thesen mögen ja vor vielen Jahren gestimmt haben, doch heute sind sie zum Teil fragwürdig oder falsch, weil sie die Gesetzgebung und auch die Rechtsprechung ignorieren. Drei Beispiele:

Verkäufer geben keine Hinweise auf bessere Produkte?

1. Finanzberatung auf Provisionsbasis sei keine Beratung, sondern Verkauf, schreibt Looman. Darüber kann man streiten, muss man aber nicht. Über den nächsten Satz schon: „Wer zu Aldi geht, erhält keinen Hinweis, das Bier sei bei Lidl fünf Cent billiger.“ In Bezug auf Versicherungsmakler stimmt die Aussage von Looman jedenfalls nicht, der kein Hehl daraus macht, dass nur Honorarberatung gute Finanzberatung ist – das IDD-Umsetzungsgesetz lässt dagegen Provisionsberatung ausdrücklich zu. Makler gehören eben nicht zum Außendienst der Versicherer, sondern stehen seit jeher im Lager des Kunden.

Sie müssen aus der Auswahl des Marktes verschiedene Angebote prüfen und das Kundeninteresse bei der letztlichen Produktempfehlung in den Mittelpunkt stellen. Also im Zweifel auch auf Preisunterschiede bei gleicher Leistung aufmerksam machen. Das entsprechende Sachwalter-Urteil des BGH stammt bereits aus dem Jahre 1985. Versicherungsvermittler-Verordnung von 2007 und deren aktuelle Überarbeitung im Zuge der IDD-Umsetzung lassen an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig.

Seite 1: Verkäufer geben keine Hinweise auf bessere Produkte?
Seite 2: Vermittler haben nur einmalig mit dem Kunden zu tun?

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