Standard für Finanzanalyse: Welche Chancen sich bieten

Berater Print Vorschau Top News von Stefan Terliesner

Wie normierte Analyse privater Finanzen funktionieren soll, will ein Bündnis aus Versicherern, Vertrieben und Verbraucherschützern regeln und hat dafür einen Entwurf vorgelegt. Welche Chancen sich für die Branche ergeben.

DIN Norm Finanzanalyse Privathaushalt

DIN-Norm in der Finanzanalyse? Wie das funktionieren könnte und was das bringen soll. pixabay / MichaelGaida

Das Jahr 2018 könnte einen Wendepunkt für die private Finanzplanung in Deutschland markieren. Nicht nur, weil seit dem 1. Januar die EU-Finanzinstrumenterichtlinie MiFID II sowie dem 23. Februar die EU-Vermittlerrichtlinie IDD zu erfüllen sind. Die Regularien fordern von Produktgebern, Beratern und Vermittlern insbesondere mehr Transparenz bei Gebühren, Provisionen, Courtagen und Zuwendungen sowie zusätzliche Dokumentations-, Beratungs- und Weiterbildungspflichten.

So etwas gibt es bisher nicht!

Zudem hat am 8. Juni das Deutsche Institut für Normung (DIN) den Entwurf der DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ veröffentlicht. Das ist ein Paukenschlag! Bisher gibt es in Sachen Finanzplanung nur unternehmens-, verbands- und vereinsspezifische Standards und Empfehlungen.

Ein erster Versuch, dies zu ändern, ist die DIN SPEC 77222 „Standardisierte Finanzanalyse für den Privathaushalt“. Die Spezifikation gibt es seit 2014. Sie wird von einigen Unternehmen umgesetzt, darunter die VPV Versicherungen, die Maklerpools Jung DMS & Cie., Netfonds und Finet, die Honorarberater Confee und Honorarfinanz, die Makler Buddenbrock, Finmap und Albatros Versicherungsdienste; letztere gehören zum Lufthansa-Konzern.

Die Spezifikation hat nicht das Gewicht der geplanten Norm. Denn eine Spezifikation muss nicht von der gesamten Branche im Konsens erarbeitet werden. Eine Norm schon. Auch darf eine Norm nicht mit einem gewöhnlichen Standard verwechselt werden.

Umso bemerkenswerter ist, dass ein Pakt aus Banken, Versicherern, Pools, Vereinen, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern die DIN SPEC 77222 zur DIN 77230 weiterentwickelt hat. Daran haben sie seit Mitte 2016 gearbeitet. Jetzt liegt der Normentwurf vor. Noch bis zum 8. August können Betroffene dazu Stellung beziehen – zum Beispiel unter www.din.de/go/entwuerfe. Die Konsultationsphase könnte noch zu Änderungen an Details führen. Ende 2018 sollte die Norm genutzt werden können.

Ganz oder gar nicht

Als Initiator der Norm gilt Klaus Möller, Obmann des DIN-Ausschusses und geschäftsführender Gesellschafter des Defino Instituts für Finanznorm. Möller kennt die Branche. Er mal für den Finanzdienstleister MLP tätig. Er warnt: „Nun sind all die Marktteilnehmer, die sich mit der DIN Norm 77230 schmücken wollen, zum sorgsamen Umgang aufgefordert. Viel Vertrauen steht auf dem Spiel.“ Und weiter: „In der Praxis bedeutet das: Anwendung der Norm in ihrer Gänze oder gar nicht. Ein bisschen Normanwendung gibt es bei keiner DIN Norm und darf es auch hier nicht geben.“ Offenbar befürchtet Möller, dass einige Anwender es mit den Vorgaben nicht ganz so genau nehmen könnten.

Seite 1: Norm-Anwendung: Ganz oder gar nicht
Seite 2: Branche hilft sich selbst

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare