Smart-Beta-ETF: Eine clevere Alternative?!

Investmentfonds Top News von Jan Wagner

„Smart-Betas“ sollen mehr Rendite bringen als ETFs – und dies bei ähnlichen Kosten. Das klingt smart. Doch eine Alpha-Garantie gibt es dennoch nicht.

Smart Beta ETF Geldanlage

Was verbirgt sich hinter "Smart Beta" und wo Unterschiede zu ETFs bestehen. Ramdlon / pixabay

Das Konzept eines „Exchange Traded Fund“ (ETF) ist für jeden Anleger verständlich. Der ETF-Anbieter nimmt einen Marktindex und bildet ihn in einem Fonds ab. Die Performance des ETF („Beta“) wird daher ähnlich gut oder schlecht sein wie die des Index. Wegen ihrer einfachen Handhabung und passiven Konstruktion sind ETFs kostengünstiger als ihre aktiv gemanagten Pendants. Der iShares ETF auf den MSCI Europe Aktienindex weist beispielsweise eine Gesamtkostenquote von lediglich 0,12 Prozent pro Jahr auf. Allerdings ist das einfache ETF-Investieren etwas komplizierter geworden. Grund dafür ist ein Konkurrenzprodukt namens „Smart-Beta-ETF“, das von größeren Häusern wie Amundi, Xtrackers (Deutsche Bank) und iShares (BlackRock) inzwischen angeboten wird.

Standard-ETF: Höhere Diversifizierung

Ein Smart-Beta-ETF definiert zunächst wie ein einfacher ETF das Anlageuniversum durch einen Marktindex – z.B. den MSCI Europe (443 Titel). Im nächsten Schritt weicht der Smart Beta jedoch vom Index ab, indem er die Werte nach bestimmten Faktoren gewichtet und nicht entsprechend der Marktkapitalisierung wie beim ETF. Es gibt einige dieser Faktoren, aber die vier geläufigsten sind: „Value“ (unterbewertete Aktien); „Quality“ (Aktien mit großer Ertragskraft); Momentum (Aktien, die an Wert gewinnen); und „Low Volatility“ (Aktien, deren Wert kaum schwankt). Durch dieses Vorgehen sind in Smart Betas auch eine deutlich geringere Anzahl von Titeln zu finden (125 bis 249 laut den iShare ETF Factsheets). Dies bringt gleichzeitig eine geringere Diversifizierung im Vergleich zum Standard-ETF mit sich. Am Ende des Prozesses entsteht ein neuer Index, an dem das Smart-Beta-Produkt entsprechend gemessen wird. Dieser Index ist nicht, wie man vielleicht vermuten wird, der Marktindex, sondern ein nur für diesen Smart Beta geltender Index. Beispiel: Der Vergleichsindex für den Smart Beta „iShares Edge MSCI Europe Value Factor ETF“ ist also nicht der MSCI Europe, sondern der „MSCI Europe Enhanced Index“. Da aber das Produkt den MSCI Europe als Basisindex genutzt hat, ist es legitim, seine Performance auch damit zu vergleichen.

Smart Beta: ETF mit Turbo

Man kann sich den Smart Beta als einen ETF mit Turbo vorstellen; damit soll das Produkt mehr leisten als das Standardmodell. Die Leistung beschreibt Markus Kaiser, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter StarCapital, so: „Mit den Produkten streben Anleger eine Outperformance gegenüber dem Markt oder eine Reduzierung des Marktrisikos an".

Da die Aktienmärkte derzeit seitwärts laufen und es immer wieder zu Rückschlägen kommen kann, klingt das toll. Smart Betas kommen ebenfalls kostengünstig daher, wenngleich sie etwas mehr kosten als klassische ETFs. Der Anleger könnte also die Outperformance („Alpha“) für einen quasi Beta-Preis bekommen. Outperformance nicht garantiert Kein Anleger wird mit dem Produkt glücklich werden, wenn er es nicht hinreichend versteht. Smart Betas sind komplexer als ETFs und natürlich gibt es wie bei aktiven Fonds auch keine Garantie auf Alpha. Es kann sogar sein, dass der Turbo stottert und die Strategie sich schlechter entwickelt als der vergleichbare ETF. Nicht immer entwickeln sich Smart Betas besser klassische ETF und dann verlieren die etwas höheren Kosten schnell ihre Berechtigung.

 

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