Run-off-Kritik: Viridium und Athene nehmen Stellung

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Die BaFin-Beschwerden über die Skandia Lebensversicherung sind im vergangenen Jahr regelrecht explodiert. Auch die anderen Spezialisten für externe Run-offs haben augenscheinlich Probleme. Doch woran liegt das? procontra fragte nach.

Lebensversicherungskunden beschweren sich verhältnismäßig oft über Run-off-Gesellschaften. Woran das liegt hat procontra die betroffenen Unternehmen gefragt.

Lebensversicherungskunden beschweren sich verhältnismäßig oft über Run-off-Gesellschaften. Woran das liegt hat procontra die betroffenen Unternehmen gefragt. Bild: PDPics/Pixabay

Kaum ein Thema sorgt in der Branche für so viel Aufregung, wie die Verkäufe von geschlossenen Lebensversicherungsbeständen. Dabei befinden sich aktuell gerade einmal rund 1,7 Millionen der über 80 Millionen deutschen Leben-Verträge in einem solchen externen Run-off. Ein kleiner Stein, der aber hohe Wellen schlägt. So folgte beispielsweise dem Verkauf der Pro bAV Pensionskasse von der Axa an die auf Run-offs spezialisierte Frankfurter Leben-Gruppe ein enormes Medienecho. Wohlgemerkt ging es dabei um 260.000 Pensionskassenverträge.

Um ein Vielfaches größer dürfte sich daher die Run-off-Diskussion entwickeln, sollte es tatsächlich zum Verkauf der rund 4,2 Millionen Verträge der Generali Lebensversicherung an den aktuell größten Abwickler, die Viridium-Gruppe, kommen. Insidern zufolge seien sich die beiden Unternehmen bereits einig über den Verkauf – sehr zum Leidwesen der Generali-Mitarbeiter.

Sollte sich der Bestand an Run-off-Verträgen also auf einen Schlag mehr als verdreifachen, so fänden die Kritiker der Bestandsverkäufe, etwa die Politiker von Bündnis90/Die Grünen, sicher mehr Gehör. Doch nicht nur die Volksvertreter sind mit der Situation rund um das Abwicklungsgeschäft mit Lebensversicherungen unzufrieden. Auch die Kunden selbst finden offenbar viele Gründe für Kritik.

Externe Abwickler allesamt mit Problemen

So lagen die bei der BaFin im Jahr 2017 eingegangenen Beschwerden über Run-off-Gesellschaften deutlich über dem Marktdurchschnitt der Lebensversicherer – procontra berichtete. Während bei den 73 Lebensversicherern mit mindestens einer Beschwerde im Durchschnitt ein Fall auf 62.901 Policen kam, war dies bei der seit 2014 von Viridium abzuwickelnden Skandia Lebensversicherung schon alle 3.865 Policen der Fall. Doch nicht nur diese Quote lässt aufhorchen, auch die Fallzahl. Diese ist von 12 Beschwerden im Jahr 2016 auf 70 in 2017 gestiegen – und das bei nahezu gleichgebliebenem Bestand (2016: 285.000; 2017: 270.000).

Auch bei anderen externen Abwicklern haben Kunden verhältnismäßig häufig ihren Unmut geäußert. Die Athene Lebensversicherung (früherer Delta Lloyd-Bestand) kam auf eine Quote von 23.910. Damit konnte sie sich zwar deutlich gegenüber dem Vorjahr verbessern (17.563), liegt damit aber immer noch im unteren Drittel. Ähnlich verhält es sich bei den Beständen der Frankfurter Leben Gruppe (ehemalige Bestände von Arag Leben und Basler; insgesamt 16 BaFin-Beschwerden auf rund 430.000 Policen). Auch die beiden weiteren Viridium-Gesellschaften Entis (eine Beschwerde auf 25.000 Policen) und Heidelberger Leben (eine Beschwerde auf 22.480 Policen) schnitten verhältnismäßig schlecht ab.

Natürlich haben auch ein paar etablierte Lebensversicherer mit großen Beständen schlechter abgeschnitten als der Marktdurchschnitt. Da aber alle in Deutschland aktiven LV-Abwicklungsplattformen von verhältnismäßig vielen Beschwerden betroffen sind, scheint es in diesem Bereich besondere Vorkommnisse zu geben. procontra hat nachgefragt und die Antworten der Run-off-Gesellschaften auf den Seiten 2 und 3 dieses Artikels zusammengetragen.

Seite 1: Viele BaFin-Beschwerden über Run-off-Gesellschaften
Seite 2: IT-Probleme bei Viridium
Seite 3: Athene nennt andere Ursachen

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