Provisionsdeckel schadet unabhängiger Beratung

Top News LV-Check Berater von Matthias Hundt

Ein Provisionsdeckel schwebt über dem LV-Markt und könnte bald Wirklichkeit werden. Warum der Verbraucherschutz kein Interesse daran haben kann und es zu einer Benachteiligung der Makler käme, erklärt Dr. Guido Bader, Vorstandsmitglied der Stuttgarter Lebensversicherung a.G., im Interview.

Dr. Gudio Bader, Vorstandsmitglied Stuttgarter Lebensversicherung a.G._Foto: Stuttgarter

Dr. Gudio Bader, Vorstandsmitglied Stuttgarter Lebensversicherung a.G._Foto: Stuttgarter

procontra: In der Evaluierung des LVRGs steht auch eine Deckelung der Provisionen zur Debatte. Für wie wahrscheinlich halten sie dessen Umsetzung?

Dr. Guido Bader: Der im Papier der Bundesregierung angekündigte Provisionsdeckel ist bislang nicht konkretisiert. Zu einer etwaigen Ausgestaltung gibt es also noch keine genauen Pläne. Ab September will sich die Bundesregierung intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.

procontra: Als sehr wahrscheinlich gilt allerdings ein harter Deckel von 25 Promille bei den Anschlusskosten.

Bader: Das sind noch Spekulationen. Einen Provisionsdeckel fände nicht nur ich, sondern auch der Großteil der Branche nicht sinnvoll. Es wäre ein sehr starker und radikaler Eingriff in eine marktwirtschaftliche Ordnung. Ob die gewünschten Ziele damit wirklich erreicht werden können, bezweifle ich. Ich hoffe, dass die Branche und die Vermittlerverbände hier noch entgegenwirken können. Wenn dadurch jetzt eine qualitativ hochwertige Beratung abgewürgt wird, wirkt sich das auch negativ auf die private Altersvorsorge der Menschen aus. Und diese ist vom Gesetzgeber ja ausdrücklich gewünscht.

procontra: Dennoch deutet Vieles auf einen harten Deckel hin. Wie könnte dieser sinnvoll ausgestaltet werden?

Bader: Sollte es wirklich dazu kommen, dann kann nicht nur eine Promillegrenze, bezogen auf die Beitragssumme, festgelegt werden. Die Gesamtvergütung besteht schließlich aus mehreren Komponenten, die man berücksichtigen muss. So müsste auch die dauerhafte Betreuung der Kunden fair bezahlt werden. Zudem sollte die Politik gut überlegen, ob sie bei einer unsachgemäßen Ausgestaltung nicht einzelne Vermittlergruppen benachteiligt, auf Kosten der Beratungsqualität.

procontra: Was meinen Sie damit?

Bader: Ein Ausschließlichkeitsvertreter erhält hohen Support durch seine Gesellschaft zum Beispiel bei seiner Weiterbildung, Büroausstattung oder im Backoffice. Eine Deckelung der Abschlusskosten wäre für ihn nicht so hart wie für den unabhängigen und freien Makler, der keinerlei Unterstützung durch einen Versicherer erhält. Stattdessen trägt dieser die gesamte Infrastruktur seines Betriebes allein. Ein Provisionsdeckel träfe ihn deutlich härter und es käme zu einer ungleichen Behandlung zwischen der abhängigen und unabhängigen Beratung.

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