Milliarden-Entlastung für Lebensversicherer kommt

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Fast 60 Milliarden Euro mussten die Lebensversicherer schon in die Zinszusatzreserve (ZZR) einstellen, um ihre Garantieversprechen langfristig erfüllen zu können. Nun soll eine neue Berechnungsmethode noch 2018 Entlastung bringen.

Die Anwendung der avisierten Korridormethode zur Berechnung der ZZR würde allein für 2018 rund zehn Milliarden Euro Entlastung bringen, sagt Lars Heermann. Bild: Assekurata

Der durchschnittliche Garantieanspruch der Kunden deutscher Lebensversicherer im Bestand liegt derzeit bei 2,77 Prozent (Stand: Ende 2017). Um die Garantieversprechen auch bei anhaltend niedrigen Zinsen langfristig erfüllen zu können, muss die Branche seit 2011 eine Zinszusatzreserve (ZZR) bilden, die inzwischen ein Volumen von knapp 60 Milliarden Euro erreicht hat. Unter Berücksichtigung dieser Reserve reduziert sich der durchschnittliche Garantieanspruch im Bestand auf 2,03 Prozent, hat die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur in ihrem jüngsten Marktausblick 2018 ausgerechnet.

„Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Lebensversicherer künftig auch bei schwierigen Zinsverhältnissen sämtliche Leistungsansprüche ihrer Kunden bedienen können, bis dato deutlich gestiegen“, sagt Lars Heermann, Assekurata-Bereichsleiter Analyse und Bewertung. Das Problem: Die jährlichen Zuführungen orientieren sich an einem Zins, der rückblickend viel schneller gesunken ist als in Experten-Szenarien ursprünglich erwartet. „Ohne Änderung der Berechnungsmethodik würde sich das bisherige ZZR-Volumen selbst bei konstantem Zinsverlauf in den kommenden Jahren bis 2023 nahezu verdreifachen“, so Heermann.

Folge: „In der Breite wären die ZZR-Anforderungen nur mit großer Mühe zu stemmen und würden die Überschussdeklarationen der Kunden überproportional unter Druck setzen“, betont der Experte. Daher sei der Vorschlag des Bundesfinanzministeriums zu begrüßen, der auf eine Änderung der ZZR-Berechnung abzielt, um den Reserveaufbau über die Zeit gleichmäßiger zu verteilen.

Korridormethode soll große Sprünge bei ZZR verhindern

Die Deutsche Aktuarvereinigung hat in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine neue Formel für die ZZR erarbeitet, die so genannte Korridormethode. Diese soll große Sprünge bei der ZZR-Bildung verhindern sowie ihre Finanzierung weitestmöglich aus den laufenden Erträgen ermöglichen. Bisher müssen dazu vor allem Bewertungsreserven der Kapitalanlagen aufgelöst werden.

Unter Beibehaltung der bestehenden Methodik würde der Referenzzins 2018 ¬– für alle Garantien oberhalb dieses Zinses muss ZZR gebildet werden - von 2,21 Prozent (2017) auf etwa 1,9 Prozent sinken. Demgegenüber fällt er nach der Korridormethode deutlich geringer auf lediglich 2,1 Prozent ab, hat Assekurata berechnet. „Für die Branche würde die Korridormethode allein für 2018 eine Entlastung von ungefähr zehn Milliarden Euro bedeuten“, erklärt Heermann.

Für die Versicherer sei zudem der Einführungszeitpunkt einer neuen Berechnungsformel von Bedeutung, da das Verfahren womöglich noch für den Jahresabschluss 2018 angewendet und die Reservepolitik entsprechend ausgerichtet werden könnte. Mit der Verfahrungsumstellung würde sich nach Berechnungen von Assekurata die Renditeanforderung aus der Kapitalanlage marktweit für 2018 um mehr als 100 Basispunkte reduzieren. Dadurch würden die Kollektive spürbar entlastet.

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