Krankenversicherung: So könnte die PKV reformiert werden

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Im Vertrieb sind Beitragssprünge ein Killer-Argument gegen die Private Krankenversicherung. Jetzt liegen erstmals Reformvorschläge für eine Glättung auf dem Tisch. Ist Jens Spahn bereit für eine Reform der Privaten Krankenversicherung?

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Uwe Laue (links) und Volker Leienbach: Was hält der Verband von Vorschlägen, die PKV zu reformieren? Bild: procontra

„Ich soll mich privat krankenversichern? Da wäre ich ja blöd! Aus heiterem Himmel springen dort die Beiträge in die Höhe. Gerade erst hat mir ein Freund erzählt, dass er acht Prozent mehr zahlen muss. Nein, lass mal. Ich fühl mich bei meiner gesetzlichen Kasse wohl.“ Sätze wie diese kennt vermutlich jeder Makler, der private Krankenversicherungen vermittelt. Tatsächlich sind die zu beobachtenden Beitragssprünge nicht nur ein Ärgernis für Versicherte, sondern auch ein argumentativ kaum zu überwindendes Hindernis für Vermittler. Betroffenen die ausgeklügelten gesetzlichen Vorgaben zu erklären, unter welchen Bedingungen die Produktgeber ihre Beiträge erhöhen dürfen, ist zeit- und arbeitsintensiv. Selbst wenn eine Police ideal zum Bedarf eines Kunden passen sollte, winken viele potenzielle Versicherungsnehmer ab. Makler haben dem wenig entgegenzusetzen.

Marktanteil der PKV sinkt

Die Angst vor steigenden Beiträgen liegt wie Mehltau auf der Privaten Krankenversicherung (PKV). Marktwachstum ist kaum möglich. Im Gegenteil: Seit Jahren sinkt die Anzahl der Vollversicherten. Zwar verweist Uwe Laue, Chef der Debeka, Deutschlands größtem PKV-Anbieter auf eine Verlangsamung des Rückgangs seit 2013, und im zweiten Halbjahr 2017 lag die Branche seinen Ausführungen zufolge „sogar wieder ordentlich im Plus“. Von einer Trendumkehr freilich kann keine Rede sein. Im besten Fall stagniert die Anzahl der Vollversicherten. Dabei steigen die Einkommen zahlreicher Beschäftigter wegen der anhaltend guten Konjunktur relativ kräftig. Das heißt: Immer mehr Menschen liegen über der gesetzlich vorgegebenen Verdienstgrenze von derzeit 59.400,00 Euro im Jahr, ab der ein Wechsel in die PKV überhaupt erst erlaubt ist. Dennoch ist der Marktanteil der privat Vollversicherten an allen Krankenversicherten von 11,4 Prozent im Jahr 2011 auf aktuell 10,8 Prozent gesunken.

Da kommt den Anbietern ein Reformvorschlag der Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) gerade recht. Er sieht neben Erleichterungen für Versicherer auch Maßnahmen vor, durch die die Beitragsverläufe privat Versicherter zukünftig gleichmäßiger gestaltet werden könnten. Laut DAV würden dann die einzelnen Erhöhungen moderater ausfallen und wären für die Versicherten besser nachvollziehbar. Eine Beitragsglättung würde auch bedeuten, dass die Produktgeber frühzeitiger Einnahmen erzielen, die sie dann gewinnbringend am Kapitalmarkt anlegen könnten. Auch das sei für den Kunden vorteilhaft. Jedenfalls wirbt der DAV-Chef Roland Weber mit diesem Argument: „Dadurch könnte ein Teil der für die Beitragsermäßigung im Alter zur Verfügung stehenden Mittel bereits früher angespart und dadurch höhere Zinsgewinne für die Kunden erzielt werden.“ Merkwürdig nur: Ansonsten betonen auch Aktuare gerne, dass im Dauerzinstief kaum noch Zinserträge zu erzielen seien.

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