InsurTechs – Investorenkultur mangelhaft

Top News Versicherungen Digital von Oliver Lepold

Die Zahl der InsurTechs steigt von Jahr zu Jahr, einige vermelden herausragenden Erfolg bei der nachhaltigen Finanzierung. Doch viele Start-Ups haben Mühe Kapital aus Deutschland für die späteren Phasen ihres Businessmodells zu gewinnen.

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Die Investitionskultur in Deutschland ist nicht sehr ausgeprägt, findet Dr. Robin Kiera.

25 Millionen Euro Investorengelder und eine Lizenz der BaFin zum Betrieb der Schaden- und Unfallversicherung – das Berliner InsurTech Coya begeisterte kürzlich die Medien mit einer Erfolgsgeschichte. Das erst 2016 gegründete Startup will als digitaler Versicherer Kunden den Abschluss von Policen und Schadensmeldungen per Handy ermöglichen und gänzlich ohne Papier auskommen. Zuvor hatte der digitale Versicherungsmakler Clark eine ähnlich große Summe für seine zweite Finanzierungsphase eingenommen.

Zwei Erfolgsmeldungen. Doch laut einer Untersuchung des Portals Finanzchef24 sind das Ausnahmen. Insgesamt sammelten deutsche InsurTechs in 2017 rund 74 Millionen Euro an Investorengelder ein – 64 Millionen Euro verteilten sich dabei aber auf gerade einmal sechs Unternehmen. In diesem Jahr dürfte das ähnlich aussehen. Dabei wächst die Zahl der InsurTechs ständig, derzeit agieren rund 110 Unternehmen in diesem Bereich am Markt.

Hoher formeller Aufwand

„70 Prozent der InsurTechs sind auf der Suche nach Finanzmitteln, entweder ganz akut oder sie bereiten eine Finanzierungsrunde vor“, lautet ein Fazit des „InsurTech Radars“, einer Ende 2017 durchgeführten Befragung von 36 InsurTechs durch die Managementberatung Oliver Wyman und Policen Direkt, Anbieter für Lebensversicherungen auf dem Zweitmarkt. Die Suche nach Investorengeldern gestaltet sich demnach alles andere als einfach.
Laut der Studie ist der formelle Aufwand sehr hoch und bindet bei den Schlüsselpersonen viel Kapazität. Es werden im Durchschnitt fast sechs Monate zwischen dem Start der Investorenansprache und dem Abschluss der Investition benötigt. Nur ein Drittel der InsurTechs schätzt die Finanzierungsmöglichkeiten durch Investoren aus Deutschland als ausreichend ein.
„In den USA und in Asien geht das alles viel schneller und die Investitionssummen sind dort auch wesentlich größer. Das Problem ist die Investorenkultur hierzulande“, weiß Dr. Robin Kiera, der die Branche seit längerem beobachtet. Kiera gilt mit über 45.000 Followern als einer der einflussreichsten Kenner und hat digitalscouting.de als Plattform etabliert.
„Kapital ist genügend vorhanden. Aber es wird in Deutschland eben lieber in Sozial- und Kunststiftungen investiert als in unternehmerische Projekte, die das Potenzial haben, Geld wieder in die Volkswirtschaft hineinzuspülen“, betont Kiera.

„Wir brauchen einen Kulturwandel“

Die Folge: Aufstrebende InsurTechs schauen sich

zunehmend im Ausland nach Investoren um. Über Finanzierungsprobleme sprechen Start-Ups selbstredend nicht, das Thema ist jedoch in der Branche virulent. „Wir brauchen einen Kulturwandel“, konstatiert Digitalisierungsexperte Kiera, „ohne ausreichende Anschlussfinanzierungen für InsurTechs fließt viel Know-how und Einfluss nach Asien oder in die USA ab und unsere Wettbewerbsfähigkeit leidet“.

Den vollständigen Text mit zugehörigen Grafiken finden Sie in der kommenden procontra.


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