Gold: „Zehn Prozent sind schon fast spekulativ“

Top News Sachwerte von Julia Groth

Daniel Rauch ist Rohstoff-Experte bei LBBW Asset Management. Mit procontra hat er darüber gesprochen, wie sich der Preis von Gold und anderen Edelmetallen entwickeln wird und warum auch nicht zu viel Gold im Depot liegen sollte.

Daniel Rauch im Interview

Daniel Rauch ist Rohstoff-Experte bei LBBW Asset Management.

procontra: Viele Analysten gehen davon aus, dass der Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte steigt. Sie auch?

Daniel Rauch: Ja. Es gab im laufenden Jahr viele Krisenherde, zum Beispiel den Nordkorea-Konflikt und die schleppende Regierungsbildung in Italien. Der Goldpreis hat darauf bislang nicht so reagiert wie erwartet, ist also nicht gestiegen. Er hat sich vielmehr am US-Dollar orientiert, und der starke Dollar hat den Goldpreis nach unten gedrückt.

procontra: Warum sollte sich das im zweiten Halbjahr ändern?

Rauch: Die charttechnischen Signale stimmen mich optimistisch. Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Monaten mehrmals der Marke von 1.360 Dollar je Feinunze angenähert, sie aber bislang nicht erreicht. Ich gehe davon aus, dass er es in den kommenden Monaten schafft. Darüber hinaus wird es in Indien dieses Jahr wohl eine niederschlagsreiche Monsunzeit geben. Das stimmt optimistisch für die Ernte und damit auch für den Goldpreis.

procontra: Was hat der Monsun mit dem Goldpreis zu tun?

Rauch: Indien hat weltweit die größte Nachfrage nach physischem Gold. Es wird dort zu Schmuck verarbeitet. Rund 70 Prozent des physischen Goldes werden von der Landbevölkerung gekauft. Wenn die indische Landbevölkerung eine gute Ernte einfährt, ist das positiv für den Goldpreis.

Sollten Anleger jetzt Gold kaufen?

procontra: Sollten Anleger dann also jetzt Gold kaufen?

Rauch: Das kommt darauf an, wie viel sie schon besitzen. Wer weniger als ein Prozent Gold im Portfolio hat, sollte aufstocken. Generell empfehle ich eine Gold-Quote von rund fünf Prozent.

procontra: Viele Anlageexperten raten zu zehn Prozent.

Rauch: Das liegt daran, dass Gold traditionell als sicherer Hafen gilt. Das kann man heute aber nicht mehr so stehenlassen. Gold unterliegt mittlerweile fast denselben Schwankungen wie andere Investments, reagiert zudem auf Entwicklungen an den Währungsmärkten. Zehn Prozent finde ich deshalb zu viel. Eine so große Gold-Position hat schon fast spekulativen Charakter.

procontra: Zu welcher Art von Gold-Investment sollten Makler ihren Kunden raten?

Rauch: Momentan bietet sich der Kauf von physischem Gold an. Die Volatilität am Goldmarkt ist niedrig, dementsprechend sind die Auf- und Abschläge überschaubar. In Krisenzeiten werden mitunter exorbitante Aufschläge beim Goldkauf fällig. Jetzt sind sie vertretbar. Ich würde sogenannte Tafelbarren kaufen, die aus mehreren Ein-Gramm-Barren bestehen und sich im Gegensatz zu großen Goldbarren problemlos aufteilen lassen. Alternativ kann man in einen Gold-ETF investieren. ETFs sind unschlagbar günstig.

procontra: Der Kauf von physischem Gold läuft in der Regel nicht über Makler. Welche Rolle können sie bei dem Geschäft spielen?

Rauch: Gold kauft man meist bei einem Münzkabinett oder bei einer der großen Schmelzanstalten wie Degussa oder Heraeus, die eigene Vertriebsnetze haben. Makler müssen aber ganzheitlich beraten, das ist Teil ihres Jobs. Sie sollten ihre Kunden zum Beispiel darauf hinweisen, dass beim Kauf physischer Edelmetalle Mehrwertsteuer fällig werden kann. Gold ist in der Regel von der Mehrwertsteuer befreit. Silber, Platin und Palladium sind es hingegen nicht. Das wissen nicht alle Anleger.

Silber könnte Goldpreis profitieren

procontra: Wenn der Goldpreis steigt, folgt ihm der Silberpreis meist nach. Wird das auch in den kommenden Monaten passieren?

Rauch: Silber würde von einem Anstieg des Goldpreises profitieren. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es im Gegensatz zu Gold auch in der Industrie zum Einsatz kommt, also gewissermaßen eine Zwitterrolle einnimmt. Das könnte den erwarteten Preisanstieg bremsen.

procontra: Aber in der Industrie läuft es doch nach wie vor gut.

Rauch: Silber wird dank seiner hohen Leitfähigkeit viel in der Solarindustrie eingesetzt. China hat jüngst bekanntgegeben, den Ausbau der Solarenergie im Land nicht so schnell voranzutreiben wie angekündigt, weil sich Überkapazitäten aufgebaut haben. Im zweiten Halbjahr werden in China also voraussichtlich weniger Solarzellen hergestellt. Das wird die Silbernachfrage signifikant senken.

procontra: Wie steht es mit Platin und Palladium?

Rauch: Platin ist jetzt sehr interessant. Es ist pro Feinunze mehr als 400 Dollar günstiger als Gold, das ist sehr ungewöhnlich. Es ist auch günstiger als Palladium. Eine solche Konstellation hatte man früher für ausgeschlossen gehalten, weil Platin seltener und damit eigentlich wertvoller ist als Palladium.

procontra: Warum ist Platin so günstig?

Rauch: Es wird in Katalysatoren von Dieselfahrzeugen verbaut, und der Diesel-Skandal hat den Platinpreis massiv gedrückt. Meiner Meinung nach war die Reaktion der Anleger übertrieben. Kurzfristig sehe ich deshalb Aufholpotenzial. Wie sich der Platinpreis auf lange Sicht entwickelt, hängt aber von der Zukunft des Dieselmotors ab.

procontra: Geht es denn beim Palladium noch weiter nach oben?

Rauch: Palladium ist unter den Edelmetallen zuletzt am besten gelaufen, seine Preisentwicklung lässt sich aber zugleich am schwierigsten prognostizieren. Rund 80 Prozent des weltweit geförderten Palladiums wird in Katalysatoren von benzingetriebenen Fahrzeugen verbaut. Ein Investment in Palladium wäre also eine Wette auf das Ende des Dieselmotors. Und darauf, dass Benziner die Lücke füllen – zumindest, bis sich die Elektromobilität auf breiter Front durchsetzt. In Elektrofahrzeugen wird fast kein Palladium verbaut. Der Kauf von Palladium wäre also eine Wette mit unbekanntem Verfallsdatum. Mir wäre das zu riskant.

procontra: Wäre es eine Alternative, einen Korb aus Edelmetallen zu kaufen?

Rauch: Es gibt nur wenige Fonds oder ETFs, mit denen man gezielt in mehrere Edelmetalle investieren kann. Wir verwalten zwar einen solchen Fonds, er ist aber für Privatanleger nicht zugelassen. Edelmetall-Interessenten können stattdessen einen breit gestreuten Rohstofffonds kaufen, der auch Energierohstoffe und Basismetalle enthält. Ein solcher Fonds würde sich bei anhaltend guter Konjunktur besser entwickeln als ein reines Edelmetallprodukt, weil Energierohstoffe und Basismetalle konjunkturabhängiger sind als Edelmetalle. Er eignet sich also für Anleger, die in Bezug auf die Konjunktur optimistisch sind. Für klassische Goldinvestoren dürfte ein diversifizierter Rohstofffonds dagegen nicht so gut geeignet sein. Sie erwarten oft eine baldige Krise und wollen sich mit Gold dagegen absichern. Makler müssen herausfinden, zu welchem Typ ihre Kunden gehören. 

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