Digitalisierung bei Immobilien: Hauskauf per Mausklick

Sachwerte Top News von Alexandra Jegers

Die Digitalisierung verändert auch das Immobilienmakler-Geschäft. Start-ups bilden Prozesse schneller, effizienter und letztlich auch deutlich günstiger ab. Wie klassische Makler davon lernen können und warum auch im digitalen Zeitalter kein Weg an ihnen vorbeiführt.

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Sun Jensch, Geschäftsführerin des Immobilienverbands IVD. Bild: IVD

Manchmal fühlte sich Nikolai Roth auf der Suche nach einem neuen Zuhause wie ein Tourist auf der Reeperbahn: „Nur schauen, nicht anfassen“, schärften ihm die Makler ein, die ihn durch Wohnungen führten. Küche, Diele, Bad – keine zehn Minuten später war die Führung auch schon wieder vorbei. Hastig noch ein Formular ausgefüllt und dem Makler in die Hand gedrückt, und schon hieß es wieder: warten. Darauf, dass sich der Makler meldet und die lang ersehnte Zusage überbringt. Oder, wie so oft, auf die Absage. Allerdings konnte auch das Tage oder gar Wochen dauern. Das kann doch nicht sein, dachte sich Roth – und beschloss, es anders zu machen.

Geschäftsmodell: Online first

So entstand im Frühjahr 2013 die Idee zu ImCheck24, einem Online-Makler, bei dem Kauf und Verkauf von Immobilien fast vollständig digital abgewickelt werden. „Ich wollte den traditionellen Maklermarkt in die schnelle und transparente Welt des Internets überführen“, sagt Roth heute. Im Juni 2013 meldete er das Start-up beim Notar an, acht Wochen später ging er auf den Markt. Seit dem Jahr 2016 präsentiert sich das Unternehmen unter dem neuen Markennamen Maklaro. Das Geschäftsmodell des Start-ups heißt „Online First“. Mit nur einem Klick können Interessenten das Exposé einer Immobilie herunterladen, sich für einen Besichtigungstermin anmelden und sogar Gebote für den Kaufpreis abgeben.

Maklaro ist nicht das einzige Unternehmen, das das klassische Maklergeschäft mit digitalen Produkten umkrempeln will. Reihenweise sind in den vergangenen Jahren Online-Makler an den Start gegangen, die mittels Automatisierung und moderner Technik die verschiedensten Bereiche des Maklergeschäfts schneller, effizienter und letztlich auch deutlich günstiger gestalten wollen. Egal ob Vermietung oder Verkauf: Mittlerweile gibt es mehr als 200 sogenannte Proptech-Unternehmen, die den etablierten Anbietern Konkurrenz machen.

Tools weisen Weg in die digitale Welt

Zeitersparnis wird im digitalen Zeitalter groß geschrieben und gilt als größte Stärke der Online-Makler. Maklaro beispielsweise ist nur noch für die Bewertung der Immobilien durch einen Sachverständigen zuständig sowie für die Besichtigung vor Ort. Der Rest – Kontaktaufnahme mit den Eigentümern, Vermarktung der Immobilie und Terminkoordination mit den Interessenten – läuft komplett digital. Spezielle Tools können traditionellen Anbietern helfen, ihre Prozesse ähnlich effizient zu gestalten. „Timum“ etwa, eine App zur Planung und Steuerung von Terminen, soll Maklern den Weg in die digitale Welt ebnen. Gründer Carsten Mohs hat die App im Jahr 2014 eigens für Immobilienmakler entwickelt. Bei „Timum“ legt der Makler fest, welche Tage und Zeiten er für Besichtigungen anbietet. Interessenten buchen ihren Wunschtermin online über die App und erhalten kurz vorher eine automatische Erinnerungsmail. Das Tool lässt sich in jedes beliebige Online-Exposé einbinden. Bis zu 90 Prozent Zeitersparnis sollen durch die App für Immobilienmakler drin sein, verspricht Mohs.

Sun Jensch, Geschäftsführerin des Immobilienverbands IVD, empfiehlt zudem die Software „Flowfact“, durch die Makler von überall aus Zugriff auf ihr Portfolio bekommen. Mit „Flowfact“ erfassen sie Immobilien direkt vor Ort und speichern sie in einem zentralen System. Zusätzlich bietet die Software vorgefertigte Exposé-Vorlagen sowie die Möglichkeit, Wohnungsanzeigen in einem Schritt auf mehr als hundert verschiedenen Immobilienportalen hochzuladen. Auch virtuelle 360-Grad-Rundgänge lassen sich mit wenig Aufwand erstellen und ans Online-Exposé anhängen. „So öffnen Sie die Tür zum Objekt nur noch bei wirklich interessierten Mietern oder Käufern“, wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Kampfansage an die Traditionellen

Makler kommen um den Einsatz digitaler Hilfsmittel nicht mehr herum, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen, sagt Marc Feth, Immobilienexperte aus Frankfurt. Er kennt sich in der Branche aus: Bis Juni 2018 war er als Senior Analyst bei Ritterwald tätig, einer der führenden Immobilienberatungen in Deutschland. „Seit Einführung des Bestellerprinzips im Jahr 2015 sind viele Eigentümer nicht mehr bereit, jeden Preis für ihren Makler zu bezahlen“, sagt Feth. Die Folge: Immer mehr Immobilienbesitzer sehen sich für den Verkauf ihrer Häuser und Wohnungen nach günstigen Alternativen um – und werden im Internet fündig.

Der vollständige Text erscheint in der kommenden procontra-Ausgabe


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