Telematik bei PKV nicht sinnvoll

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Dank ungeheurer Datenmengen können Versicherer Tarife individueller kalkulieren. Bedroht das den Kollektivgedanken? Rainer Fürhaupter, Vorstand bei der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), im Interview über Vorteile, Grenzen und Vertriebsargumente.

Aktuare Kalkulation Tarife

DAV-Vorstand Rainer Fürhaupter im Interview über Big Data, Tarifkalkulation und Gerechtigkeit. Bild: Deutsche Aktuarvereinigung

procontra: Herr Fürhaupter, woher beziehen Aktuare ihre Daten für die Kalkulation der Tarife?

Rainer Fürhaupter: Bisher bezogen sie die Daten aus vordefinierten Statistiken aus den Risiko- und Schadenbeständen ihrer Unternehmen sowie zum Teil aus übergreifenden Beständen von Verbänden, Rückversicherern und Beratungsfirmen. Seit einiger Zeit werden in der Schadenversicherung darüber hinaus vermehrt Daten genutzt, die eigentlich gar nicht für Kalkulationszwecke vorgesehen waren.

procontra: Zum Beispiel?

Fürhaupter: Hierzu zählen Daten von Wasserwirtschaftsämtern, um Überschwemmungsrisiken zu bewerten, oder Informationen aus dem Internet der Dinge, also insbesondere von vernetzten elektronischen Geräten und Maschinen. Wichtig ist dabei: Die Daten müssen zum der Versicherung zugrunde liegenden Kalkulationsmodell passen.

procontra: Offenbar setzten Sie auch auf neue Technologien. Wie schätzen Sie deren Potenzial ein?

Fürhaupter: Wir haben nicht nur neue Tools zur Analyse quasi aller verfügbaren Quellen sowie zur Sammlung vieler Daten aus der Internet-Welt, sondern uns stehen auch ganz neue Data-Science-Methoden aus der Statistik und der Informationstechnologie zur Verfügung. Deren mathematische Grundlage ist zwar bereits ein paar Jahrzehnte alt, mittels neuerer Daten- und Computertechnik sind die Anwendungen jetzt aber praktisch überall durchführbar.

procontra: Wird die Zukunft dadurch vorhersehbar?

Fürhaupter: Das natürlich nicht. Auch möchte ich vor dem Schluss „Viele Daten plus große Computerpower gleich bessere Ergebnisse“ warnen. Unsere Kalkulationen sind und bleiben Einschätzungen zu erwartender Ereignisse und Entwicklungen. Und die Zukunft ist bekanntlich nie sicher. Hinzu kommt: Menschliche Einschätzungen sind oft sturem maschinellen Rechnen überlegen. Wir Aktuare können aber mittels der größeren Datenmengen und neuer Werkzeuge immer besser analysieren, was in der Vergangenheit bis in die Gegenwart passiert ist, und damit umfassendere Einschätzungen abgeben.

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