Stark, stärker, BRSG?

Berater Top News Meistgeklickt von Michael Fiedler

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ist seit über 100 Tagen in Kraft. Lässt sich bereits absehen, ob die gesteckten Ziele erreicht werden können? Die Zeichen stehen gut, meinen Branchenexperten. Doch es gibt auch Hindernisse.

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Kann das BRSG alle Hemmnisse bei der Verbreitung betrieblicher Altersvorsorge (bAV) zu stemmen? Bild: Roman Kulon, procontra

Zum Jahresbeginn ist mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ein ganzes Maßnahmenpaket in Kraft getreten, dessen Ziel die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung ist. Besonders bei Geringverdienern erhofft sich der Gesetzgeber größeren Zuspruch für betriebliche Altersversorgung. Doch wissen die, die profitieren sollen, überhaupt davon?

Viele Verbraucher haben den Begriff BRSG zwar „schon einmal gehört“, auch „dass es Zuschüsse geben soll“, ist einigen bekannt. Doch so richtig klar über die nächsten notwendigen Schritte sind sich die wenigsten. Eine repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Aon Hewitt zeigt: Die staatlichen Zuschüsse werden von 44 Prozent der Arbeitnehmer als interessante Neuerung des BRSG benannt. Bei den Arbeitgebern sind es gar 56,8 Prozent. Wertet man die Antworten nach Einkommen aus, wird deutlich: Die Botschaft ist angekommen: 67 Prozent der Befragten mit einem Bruttoeinkommen bis einschließlich 2.200 Euro halten die Zuschussregelung für interessant. „Das große Interesse sowohl bei Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern lässt erwarten, dass sich hier etwas bewegen wird“, kommentiert Aon-Hewitt-Geschäftsführer Fred Marchlewski das Studienergebnis. Das Ziel, Geringverdiener besser abzusichern, könne das BRSG durchaus erreichen, so Marchlewski.

Zankapfel: Doppelverbeitragung

Doch es gibt auch Einwände und weitverbreitetes Unwissen. Häufiger zu hören: „Da muss ich doch im Alter auch noch Beiträge zahlen.“ Hier spielt die Debatte um die Doppelverbeitragung eine Rolle. Eine Debatte, die jüngst auch den Bundestag beschäftigte und zu einer Expertenanhörung führte.

Das Gros der angehörten Verbände und Institutionen sprach sich für eine Abschaffung doppelter Beiträge aus. So hieß es beispielsweise von der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung (aba), Betriebsrenten in der Finanzierungs- und Leistungsphase mit Beiträgen zu belasten sei ein „außerordentlich wirkungsvoller Fehlanreiz“. Zwar würden heute im Normalfall in der Finanzierungsphase keine Beiträge geleistet, in der Praxis träten aber abweichende Konstellationen auf. Dies sei „atypisch“, jedoch keinesfalls die Ausnahme.

Anders sieht es der GKV-Spitzenverband. Die Doppelverbeitragung sei weitestgehend ausgeschlossen. Die meisten Bezieher von Versorgungsbezügen würden nur einmal mit GKV-Beiträgen belastet. Bei vielen Direktversicherungsverträgen, die vor 2004 geschlossen wurden (und älter), bleibt das Problem bestehen und eine Lösung wäre wohl – folgt man der Argumentation des GKV-Spitzenverbands – mit zu hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, will sich hingegen für einen Kompromiss einsetzen. Die Betroffenen sollen nach Vorstellungen der SPD in der Rentenphase nur den halben Beitragssatz zahlen. Nach Berechnungen der SPD müssten die gesetzlichen Kassen dann mit einem zusätzlichen Defizit von 2,6 Milliarden Euro rechnen.

Darin liegt aber längst nicht die einzige Schwierigkeit, wie Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Longial, findet: „Seit Monaten bestimmt das BRSG die Diskussion um die bAV und hier im Wesentlichen das Sozialpartnermodell mit der Möglichkeit der reinen Beitragszusage. Bei der Diskussion geht aber häufig unter, dass zahlreiche Arbeitnehmer von den Sozialpartnern gar nicht vertreten und erreicht werden.“ Die Diskussion müsse weg vom Sozialpartnermodell hin zur alten bAV-Welt gelenkt werden und dabei die neuen Fördermöglichkeiten einbeziehen, so Hoppstädter.

BRSG: Neuregelungen oft unbekannt

Aufklärung über die Fördermöglichkeiten ist also gefragt und auch nötig. Denn die eingangs erwähnte Aon-Hewitt-Studie zeigt auch, dass rund zwei Drittel der Arbeitnehmer (67,9 Prozent) die Neuregelungen im Detail noch gar nicht kennen. Und bei kleinen und mittleren Betrieben (KMU) mit bis zu 250 Beschäftigten weiß auch über ein Drittel der befragten Führungskräfte (39 Prozent) noch nichts davon.

Dabei hält die Branche umfangreiches Informationsmaterial bereit und sucht auch den Dialog mit Maklern, um eigene Abläufe zu optimieren. So diskutierten Versicherer und Makler in einem Workshop der Versicherungsforen Leipzig, ob eine anbieterunabhängige Plattform ein Weg für effektive bAV-Verwaltung sein kann, welche Rolle der Versicherer in der Zusammenarbeit mit Maklern und Arbeitgebern übernimmt oder wie Prozesse verändert werden müssten, damit Fachabteilung und Maklerbetreuer für den Makler Nutzen bieten.

Vermittler sollten diese Angebote nutzen und ihre Kunden als hilfreiche Assistenten in Vorsorgefragen zur Seite stehen.

Der Text erschien zuerst in der Print-Ausgabe der procontra

Welche Chancen die neue Betriebsrente bietet, erläutert Dr. Björn Achter von Axa auf der Onlinemesse profino. Dort finden sich auch bei Signal Iduna oder Stuttgarter Materialien für Vermittler.

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