P&R-Pleite: Hat die Finanzaufsicht geschlafen?

Sachwerte Top News Meistgeklickt von Florian Burghardt

Mehrere zehntausend Anleger werden aufgrund der P&R-Insolvenz wohl Milliarden verlieren. Hätte die BaFin dies verhindern können? Die Antworten der Bundesregierung liefern darauf kein klares „Nein“. Aus Sicht der Grünen hat die Aufsicht versagt.

Hat die BaFin bei der Kontrolle der P&R-Container-Geschäfte geschlafen? Mindestens eine Antwort der Bundesregierung erweckt diesen Anschein.

Hat die BaFin bei der Kontrolle der P&R-Container-Geschäfte geschlafen? Mindestens eine Antwort der Bundesregierung erweckt diesen Anschein. Bild: hermelin/Pixabay

Die P&R-Gruppe geht in der Insolvenz unter. Der Sog, den die sinkenden Container-Investmentgesellschaften dabei fabrizieren, nimmt immer größere Ausmaße an. Es ist von einem Schneeballsystem die Rede – die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Unglaublich, aber nach aktuellem Stand eine Tatsache: Von 1,6 Millionen verkauften Containern sind aktuell nur 600.000 auffindbar.

Dieser Sog hat längst auch die Politik erfasst. Bereits im April hatte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen um genauere Infos zum Fall gebeten. Auch die Rolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in dieser Sache wurde kritisch hinterfragt. Nun liegen die Antworten der Bundesregierung vor.

Verstecke Risikoangaben übersehen

Diese verteidigt die Arbeit der Aufsicht, besonders mit Blick auf die Zulassung von P&R-Verkaufsprospekten. „Die Prospekte der P&R Transport-Container GmbH, die von der BaFin gebilligt wurden, halten die gesetzlichen Vorgaben ein“, heißt es von Seiten der Bundesregierung. Zu diesen Vorgaben gehört unter anderem, dass dem Anleger das ihn betreffende maximale Risiko deutlich vor Augen zu führen ist und verstreute oder „versteckte“ Risikoangaben im Prospekt unzulässig sind. Weiterhin gehört zu den Mindestangaben, dass auf Risiken einer möglichen Fremdfinanzierung des Anteils durch den Anleger einzugehen ist.

Dass diese Punkte korrekt umgesetzt wurden, daran gibt es viele Zweifler. Beispielsweise hat der Finanzjournalist Stefan Loipfinger in den Prospekten Hinweise gefunden, wonach Teile des Anlegergeldes nicht zum Kauf von neuen Containern über die Schweizer P&R Equipment & Finance Corp. verwendet wurden. Dieses Geld floss hingegen in die deutschen Vertriebsgesellschaften und das zu Zeiten, in denen diese teilweise gar kein Neugeschäft mehr anboten. Statt wie vereinbart Container zu kaufen wurde das Geld also anderweitig verwendet. Aus Sicht der P&R-Kritiker handelt es sich dabei um eine „versteckte“ Risikoangabe im Prospekt, welche die BaFin einfach durchgewunken hat.

Seite 1: Bundesregierung äußert sich zur P&R-Pleite
Seite 2: Grüne sehen „Aufsichtsversagen par excellence“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare