PKV: Wie Beitragssprünge vermieden werden können

Private Kranken Themenseite von Alexander Meurer

Beitragsanpassungen (BAP) in der Privaten Krankenversicherung (PKV) erfolgen manchmal sprunghaft - zum Ärgernis der Versicherten. Wie Versicherungsmathematiker die Beitragssprünge erklären und was sich ändern müsste, um sie zu verhindern.

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Wie Beitragsanpassungen (BAP) in der Privaten Krankenversicherung aus Sicht von Versicherungsmathematikern gestoppt werden könnten. pixabay / Niksy

Beitragsanpassungen (BAP) in der Privaten Krankenversicherung (PKV) sorgen regelmäßig für Schlagzeilen bei Publikumsmedien. Nicht ganz unberechtigt – denn die Anpassungen sind eher sprunghaft und können mitunter heftig ausfallen. Das sorgt für Verärgerung der Versicherten und schreckt potenzielle Kundschaft ab. Der Dachverband der Versicherungsmathematiker, die Deutsche Aktuar Vereinigung (DAV), hat deshalb Vorschläge entwickelt, die Beitragssprüngen entgegenwirken sollen.

Die Versicherungsmathematiker führen gesetzliche Vorschriften an, die jene Beitragssprünge zur Folge haben: So sind sie jährlich dazu verpflichtet, die einkalkulierten Leistungen mit den realen Entwicklungen zu vergleichen. Sollte der Grad der Veränderung bestimmte Schwellenwerte bei auslösenden Faktoren wie der Sterbewahrscheinlichkeit überschreiten, müssen die Rechnungsgrundlagen einer Prüfung unterzogen werden.
Im gleichen Zug wird auch der Rechnungszins korrigiert, dessen Anpassung sich an der aktuellen Lage des Kapitalmarktes orientiert. Gerade letzteres wird von Aktuaren kritisiert: Der Rechnungszins habe zwar einen großen Einfluss auf die Beitragshöhe, allerdings spielt dieser keine Rolle bei der Entscheidung, ob eine Beitragsanpassung erfolgen muss.

Bei diesem Verfahren würde aber die kumulierende Wirkung der Rechnungsgrundlagen ignoriert, kritisiert die DAV. Anstatt abzuwarten, dass einzelne Faktoren den jeweils festgelegten Schwellenwert überschreiten, was einen sprunghaften Anstieg der Beiträge zur Folge hätte, sei es sinnvoller, den kumulierten Anstieg aller Faktoren zu erfassen. Dadurch würde eine kontinuierliche Beitragsentwicklung gewährleistet werden. Um letztere überhaupt ermöglichen zu können, haben Aktuare zwei verschiedene Ansätze entwickelt:

Nettoprämien

Einer der beiden Vorschläge lautet, Nettoprämien zu berechnen, wobei die relevanten Rechnungsgrundlagen nach einem objektiven Verfahren aktualisiert würden. Wenn die Nettoprämie nach der Neuberechnung der entsprechenden Rechnungsgrundlagen zu stark von der aktuellen Prämie abweicht, müssten die Beiträge überprüft werden.

Erweiterung der Rechnungsgrundlagen

Der zweite Ansatz sieht vor, das bestehende Verfahren der Versicherer um weitere Rechnungsgrundlagen zu erweitern. Wenn nicht nur die neueste Sterbetafel, sondern auch ein aktueller Rechnungszins im Berechnungsverfahren berücksichtigt würde, würde dies zu einer stetigeren Beitragsentwicklung führen.
Da die Berechnung von Nettoprämien einen erheblichen Mehraufwand für die Versicherer mit sich bringt, dessen Kosten zu Lasten der Versicherten gehen könnten, bevorzugen die Aktuare die Erweiterung der bestehenden Rechnungsgrundlagen um den Rechnungszins.

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