Linke haben Vergleichsportale auf dem Kieker

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Neuer Gegenwind für Check24, Verivox und Co. „Die LINKE“ kritisiert deren vermeintlich undurchsichtiges Geschäftsmodell. Die Politiker wollen unter anderem wissen, wie viel Provision verdient wird und wie die Tarif-Ranglisten entstehen.

Ihre Partei hakt nun kritisch beim Thema Versicherungs-Vergleichsportale nach: Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Bundestagsfraktion "Die LINKE".

Ihre Partei hakt nun kritisch beim Thema Versicherungs-Vergleichsportale nach: Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Bundestagsfraktion "Die LINKE". Bild: picture alliance/augenklick/Sammy Minkoff

Nicht nur der BVK und viele „Offline“-Versicherungsvermittler stehen mit dem Geschäftsgebaren mancher Vergleichsportale auf Kriegsfuß. Auch Verbraucherschützer kritisieren die Beratungsleistung der Portale, hinter deren Vergleichsangebot für Tarife ein Vermittlungsmodell auf Provisionsbasis steht.

Nun hat sich auch die Bundestagsfraktion der Partei „Die LINKE“ in die Gesellschaft der Kritiker eingereiht. Die Politiker rund um den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und Leiter des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Klaus Ernst, haben 17 Fragen an die Bundesregierung gerichtet.

Mindestanforderungen für Vergleichsrechner?

Als Gründe für ihre Kleine Anfrage nennen sie unter anderem, dass die Verbraucher meist nichts von dem provisionsbasierten Geschäftsmodell wissen würden – und wenn doch, dann würde die Finanzierung der Portale über Provisionen und Werbung für ausgewählte Tarife im Angebot Zweifel an der vermeintlichen Neutralität der Ranglisten wecken.

Die Linken gehen davon aus, dass die Bedeutung des Versicherungsvertriebs über Online-Vergleichsportale künftig weiter zunehmen wird. Aufgrund dieser wachsenden Bedeutung wollen sie von der Bundesregierung unter anderem wissen, welche Voraussetzungen die online bereitgestellten Vergleichsrechner erfüllen müssen, um die am Markt gängigen Tarife nach den Wunsch- und Suchkriterien des Kunden auswerten zu können und ob die Bundesregierung hierfür Mindestanforderungen vorgibt. Auch ob von Seiten des Staates die Entwicklung eines „Vergleichsportal-Labels“ vorgesehen ist, dass die Portale aus Verbraucherschutzsicht einordnet, wollen die Abgeordneten wissen.

Hosen runter bei Provisionen

Großes Interesse zeigen die Linken auch an den Provisionseinnahmen von Check24 und Co. Diese, vor allem die konkreten Provisionssätze, halten die Vergleichsportale bislang streng geheim. Ernst fragt dazu, wie hoch die Sätze auf verschiedene Versicherungssparten bezogen sind und wie sie sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünf Jahren entwickelt haben.

Die Oppositionspartei beruft sich dabei auch auf eine Studie des Instituts für Finanzdienstleitungen (iff) vom Februar 2017. Demnach würden die Portale beworbene Produkte in ihrer Darstellung bevorzugen und häufig eine nicht nachvollziehbare Vorauswahl von Vertragspartnern treffen. Bekanntermaßen haben sich manche Versicherer ganz konkret gegen die Platzierung ihrer Tarife bei Vergleichsportalen entschieden, weil ihnen die verlangten Provisionssätze zu hoch sind – beispielsweise die Huk-Coburg Versicherungsgruppe.

Weiter wird außerdem gefragt, welche Schlussfolgerungen die Bundesregierung aus dem Urteil im Streit BVK vs. Check24 zieht und ob die IDD verschieden hohe Ansprüche in Sachen Dokumentation, Verbraucherinformation und Weiterbildung an persönliche und Online-Vermittler (wie Vergleichsportale) stellt. procontra wird das Thema weiter verfolgen.

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