Konzertausfall - wie läuft das mit dem Versicherungsschutz?

Berater Recht & Haftung Meistgeklickt von Detlef Pohl

Einige Versicherungsmakler haben sich auf Events spezialisiert. Letztens mussten „Die Toten Hosen“ wegen eines Hörsturzes ihres Sängers Campino das Zusatzkonzert in der Berliner Waldbühne am 8. Juni absagen. Davon waren Publikum, Band, Veranstalter und Versorgungsbetriebe betroffen. Wer kommt dafür auf?

Matthias Glesel Konzertausfall Event

Matthias Glesel hat sich auf Versicherungsschutz für Veranstaltungen spezialisiert. Bild: procontra-Archiv

Ein Hörsturz (Ohrinfarkt) ist gerade für einen Musiker eine ernste Sache. Kein Wunder, dass der Arzt den Sänger Campino (bürgerlich Andreas Frege) krankschrieb. Kurz vor seinem 56. Geburtstag muss er sich Ruhe wider Willen gönnen - das Folgekonzert fiel aus. Die akute Hörminderung kann sich innerhalb von wenigen Tagen bessern, kann aber auch bleibende Hörschäden hinterlassen. Wie vom Betreiber der Waldbühne und zugleich Ticketvermarkter CTS Eventim zu erfahren war, bemühten sich Tourveranstalter KKT und örtlicher Veranstalter Loft Concerts schnell um einen baldigen Nachholtermin.

Nachholung oder Geld zurück

Rein rechtlich gilt: Betroffene Karteninhaber können sich an die Vorverkaufsstelle wenden und sich dort über eine mögliche Rückerstattung des Ticketpreises informieren, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn: Die Veranstalter übertragen häufig die Rückabwicklung auf die Vorverkaufsstellen. Wenn das Konzert nicht stattfindet, sollte man dort gegebenenfalls das Geld zurückbekommen.

Anderenfalls bleibt nur der Kontakt zum Veranstalter selbst. Da ihn im Fall Campino keine Schuld am Ausfall trifft, muss er weitere Schäden nicht ersetzen. Wird die Veranstaltung auf einen anderen Tag verlegt, sind Besucher nicht verpflichtet, den neuen Termin anzunehmen: Sie können auch ihr Geld zurückbekommen, heißt es beim Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD). Gut stehen Fans immer da, wenn Künstler den Abend ganz absagen. Dann erhalten sie ihr Geld zurück, so der VDKD.

Abzuwägen ist aber, ob ein Anspruch auf Schadensersatz für Fahrtkosten oder eine Hotelbuchung besteht. Da gibt es mittlerweile gute Chancen, etwas wieder zu bekommen. Die Aufwendungen müssten aber „vernünftig und notwendig" sein.

Besucher sollen sich an Veranstalter halten, der eine Ausfallversicherung besitzt

Formal belangen Konzertgänger in solchen Fällen nicht den Künstler, sondern den lokalen Veranstalter. Ist das Problem eine Krankheit des Künstlers, muss sich der Veranstalter das Geld bei ihm wiederholen. Der Kunde habe Anspruch auf Erstattung, so die Verbraucherzentrale Bayern. Das Prinzip erläutert Thomas Waetke, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht: Bei Verschulden besteht Rechtsanspruch über den Ticketpreis hinaus auf weitere Kosten und gegebenenfalls Schadensersatz. Ohne Verschulden wird der nicht erbringbare Vertragsteil aufgelöst und der anteilige Ticketpreis erstattet.

Betroffen sind bei Ausfall des Konzerts aber auch Fanartikelverkäufer, Produktionscrew, Catering, Ticketdienstleister – und nicht zu vergessen die Künstler selbst, die ihre Gage nur dann erhalten, wenn sie auch tatsächlich auftreten. Matthias Glesel, Geschäftsführer der auf Events spezialisierten Compact Team GmbH & Co. KG Versicherungsmakler in Berlin, sagt: „Auf den Unkosten muss in der Regel niemand sitzen bleiben, denn gegen Fälle wie diesen sichern sich die Tourveranstalter mit einer Ausfallversicherung ab.“

Diese kommt für sämtliche finanzielle Schäden auf, die durch die Absage (und Verlegung) eines Konzerts entstehen. Denn auch ein Konzert, das zu einem späteren Termin nachgeholt wird, verursacht Extra-Kosten – etwa die Halle, die jetzt noch für einen zweiten Termin angemietet werden muss, oder die Produktionscrew, die schon mit dem Aufbau beschäftigt war.

Eigene Ausfall-Police für alle Beteiligten sinnvoll

Aus Erfahrung weiß Glesel, der zuletzt selbst bei Events wie „Rock am Ring“ und „Hurricane Festival“ für Versicherungsschutz gesorgt hat, dass rund um ein Konzert „jeder der Beteiligten sich selber versichern kann. Meist ist die Tour abgesichert und auch lokale Veranstalter sichern ihren Kostenpart ab.“ Bei den Dienstleistern sei das seltener der Fall, denn vertraglich hätten sie ja Anspruch auf ihre Bezahlung.

Das Prinzip der Entschädigung läuft laut Glesel etwa so ab: Zuerst sind die Kosten des Veranstalters versichert. Darin sollten die Honorare auch der Dienstleister erfasst sein. Darüber kann der Veranstalter auch seinen Umsatzausfall (Gewinnausfall) versichern, so dass auch Verluste aus der Ticketerstattung versichert wären.

Nun soll es am 29. August klappen

Solche Ausfall-Versicherungen greifen nicht nur im Fall von Naturkatastrophen oder Terroranschlägen, sondern auch im Krankheitsfall. Wie jeder Arbeitnehmer muss sich Campino seine Krankheit von einem Arzt bescheinigen lassen. Bei Künstlern kommt dann aber noch ein Gutachter hinzu, der das Attest für die Versicherung auf Herz und Nieren prüft. Erst wenn die Ärzte grünes Licht geben, kann das Konzert nachgeholt werden.

Trotz Nachfrage von procontra hüllten sich beiden Veranstalter bis Redaktionsschluss in Schweigen. Immerhin sickerte ziemlich schnell die Information durch, dass „Die Toten Hosen“ ihr am 8. Juni ausgefallenes Berlin-Konzert nun am 29. August in der Waldbühne nachholen. Dann gibt es mit Verspätung auf die Ohren.

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