D&O: Ausschlüsse, Audi und Argumente zum Verkauf

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Audi-Chef Rupert Stadler sitzt in Untersuchungshaft. Kann ihm eine Managerhaftpflicht-Police helfen? Diese Frage und wie Vermittler am besten für den Abschluss einer D&O-Versicherung argumentieren, klärte Hiscox-Experte Mario Hartmann.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender des Autobauers Audi AG, befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Ob ihm eine D&O-Versicherung helfen kann?

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender des Autobauers Audi AG, befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Ob ihm eine D&O-Versicherung helfen kann? Bild: dpa

Vermittler können sich freuen. Denn für die D&O-Versicherung (Directors-and-Officers-Versicherung beziehungsweise Managerhaftpflicht-Versicherung) besteht ein enormes Vertriebspotenzial. Dieser Meinung ist Mario Hartmann, Underwriting Manager Professional Indemnity und D&O beim Spezialversicherer Hiscox. „Mit einfachen Worten ist die D&O eine Berufshaftpflicht-Versicherung für Manager. Bedarf dafür gibt es also in jedem Unternehmen“, so Hartmann.

Laut dem Experten wüssten heute vor allem jüngere Geschäftsführer, dass sie für Fehlentscheidungen oder einfach nur unglückliche Umstände persönlich haftbar gemacht werden können. „Die Klagebereitschaft ist in den letzten 30 Jahren stark gestiegen. Man will den Geschäftsführer für Schäden haftbar machen, obwohl man ihn selbst eingestellt und ihm damit das Vertrauen ausgesprochen hat“, weiß Hartmann.

Vertriebspotenzial von der AG bis zum Sportverein

Die Kläger sind in 80 Prozent der Fälle die eigenen Arbeitgeber beziehungsweise die Mitgesellschafter (Innenhaftung). Sie sind auch die Versicherungsnehmer einer D&O-Police. Versicherte Person ist der Manager, dessen eventuelle Fehler man damit absichern will. Potenzielle Kunden sind deshalb alle juristischen Personen. Dazu gehören auch Vereine, Verbände, Stiftungen und Genossenschaften. Sie alle haben einzelne Personen an der Spitze, die erhöhte Verantwortung tragen. Nicht umsonst sind in den meisten Privathaftpflicht-Bedingungen Schäden infolge einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit erhöhter Verantwortung ausgeschlossen. Diese Lücke kann die D&O-Versicherung schließen.

Allerdings hat auch sie ihre Grenzen. Laut Hartmann ist die D&O wie eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung zu betrachten. Und wie bei jeder Haftpflichtversicherung ist auch in der Managerhaftpflicht-Police Vorsatz ausgeschlossen. Mit Blick auf den seit Montag inhaftierten Audi-Chef Rupert Stadler sagte Hartmann: „Es besteht also kein Versicherungsschutz, wenn nachgewiesen wird, dass die versicherte Person wissentlich beziehungsweise vorsätzlich gehandelt hat.“ Sollte im konkreten Fall eine D&O-Versicherung vorhanden sein, sei die Deckung von der konkreten Formulierung im Wording abhängig. Gemäß manchen Bedingungen würde der Nachweis des Vorsatzes ausreichen, bei andere müsse dieser per Gericht erfolgen.

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