Daten für Versicherungen: Aktuare fordern europaweiten Kodex

Versicherungen von Michael Fiedler

Welche Daten von Versicherten werden wie zur Kalkulation von Versicherungstarifen eingesetzt? Diese Frage sollten Versicherer, Politiker und Verbraucherschützer gemeinsam klären und einen europaweiten Kodex erarbeiten, forderte die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) in Berlin.

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Wie werden welche Daten für die Tarifkalkulation eingesetzt? Die Aktuarvereinigung (DAV) fordert einen europaweiten kodex. Bild: pixabay / MichaelGaida

Datenschutz ist der Bevölkerung besonders wichtig, zeigte eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. 80 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass die Daten nur im gesetzlichen Rahmen verwendet werden dürfen.
Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Umfrage von PriceWaterhouseCoopers (PwC), derzufolge die Skepsis gegenüber digitalen Angeboten im Gesundheitsbereich besonders hoch ist. Dahinter steckt die Befürchtung, dass nur noch solche Kunden günstige Versicherungstarife erhalten, wenn sie sich besonders gesundheitsbewusst verhielten und ihre Daten Versicherungen zur Verfügung stellen.

Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) äußerte in seinem letzten Datenschutzbericht auch Bedenken mit Blick auf Wearable Computing. Wenn also z.B. Fitness-Armbänder und andere am Körper getragene Kleincomputer und Gesundheits-Apps dafür genutzt werden, um für Berufsunfähigkeits-, Lebens- und Krankenversicherungen verschiedene Vergünstigungen zu gewähren.

Fitnesstracker nicht für Preisdifferenzierung geeignet

Diesen Bedenken trat Roland Weber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV), auf dem Weltkongress der Aktuare (ICA 2018) in Berlin entgegen. Er verwies darauf, dass private Krankenversicherungsverträge in Deutschland auf Lebenszeit abgeschlossen werden und deshalb besonders strengen regulatorischen Vorschriften unterliegen. So würden u.a. Längsschnittdaten, die den Risiko- und Leistungsverlauf über sehr lange Zeiträume wiedergäben vom Gesetzgeber verlangt. „Diese hohen Anforderungen erfüllen die von Fitnesstrackern oder Smartwachtes generierten Daten auf absehbare Zeit nicht. Daher eignen sich diese aus aktuarieller Sicht derzeit nicht für eine Preisdifferenzierung“, betonte Weber.

In allen Bereichen der Versicherungswirtschaft würden durch den Einsatz von Data-Science-Methoden künftig deutlich mehr, auch unstrukturierte und zum Teil sensitive Daten verarbeitet werden müssen, so DAV-Vorstandsmitglied Rainer Fürhaupter. „Hierfür müssen zusammen mit IT-Experten ganz neue Prozesse entwickelt werden, um eine ausreichende Datenqualität für eine sachgerechte Tarifkalkulation sicherzustellen“, führte er aus. Gemeinsam mit Verbraucherschützern, Politikern und Versicherern sei eine Art europaweiter Kodex zu erarbeiten, welche Daten wie für die Kalkulation von Versicherungstarifen verwendet werden, forderte Fürhaupter.

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