Cybercrime – im Transportgeschäft angekommen

Berater Top News von Carla Fritz

Warum eine Vertrauensschadenversicherung für Unternehmen eine sinnvolle Ergänzung zur Cyberpolice darstellt und weshalb auch die Transportversicherung im digitalen Zeitalter immer wichtiger wird.

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Mit der Digitalisierung hält auch Cybercrime in der Transport- und Logistikbranche Einzug. Bild: pixabay /delphinmedia

Falsche Chefs oder Lieferanten, die Zahlungen auf ihr Konto umleiten. Betrüger, die sich als alte Firmenkunden ausgeben und Ware an Fake-Adressen ordern. Digitalisierung macht auch das – mit neuen vereinfachten Angriffswegen für bekannte Delikte – möglich. Bei einer Kommunikation, die vorrangig über Internet und Intranet und häufig unter Zeitdruck läuft, haben Cyber- bzw. Wirtschaftskriminelle oft leichtes Spiel. Die Grenzen zwischen beiden sind auch hier inzwischen fließend.

Reingefallen – beliebte Betrugsmaschen der Kriminellen

Wer fragt heutzutage schon telefonisch nach, wenn er es doch „Schwarz auf Weiß“ in der E-Mail hat: Zahlungsüberweisung für die georderte Ware bitte künftig auf ein anderes Geschäftskonto. „Sehr einfach und gewinnbringend für die Täter. Darauf fallen sehr viele Unternehmen rein“, so Rüdiger Kirsch, Vorsitzender der AG Vertrauensschadenversicherung im GDV, jüngst vor Journalisten. Oder ein Hacker fischt eine Mail heraus und verändert die IBAN. Payment Diversion wird dieses Betrugsszenario genannt, bei dem die Vertrauensschadenversicherer in diesem Jahr allein fünf Fälle mit einem Volumen von über zwei Millionen Euro verzeichneten. „Gerade wenn es um die Umleitung von Zahlungsströmen geht“, sind aber auch viele kleine Firmen und Handwerksunternehmen betroffen, so Kirsch auf Nachfrage von procontra. Und bei einer Bilanzsumme von einer Million Euro tun Summen von 20.000 oder 50.000 Euro dann genauso weh wie einem Großunternehmen ein Millionenschaden. Nur landen viele dieser Betrugsfälle oft nicht bei der Kriminalpolizei und werden nicht systematisch erfasst.

Der Fake President lässt grüßen

Spektakulärer und aufwendiger für die Täter ist das Betrugsszenario Fake President. Dabei hackt sich der Kriminelle beispielsweise ins Intranet ein, bewegt sich dort zwei Wochen, schaut, wer mit wem wie kommuniziert: „Duzt man sich beispielsweise? Spricht man Englisch? Das pickt er heraus und weiß am Ende, wer im Unternehmen für Zahlungsanweisungen zuständig ist“, schildert Kirsch das typische Vorgehen. Der Buchhalter wird dann – auch mit Lob für seine Zuverlässigkeit und Appellen an seine Diskretion – teils auch telefonisch unter Druck gesetzt, um erhebliche Summen zu überweisen: zum Beispiel für die „streng geheime“ angebliche Übernahme einer Firma. Bezogen auf die Fake-President-Masche gab es bei den Vertrauensschadenversicherern in den vergangenen zwei Jahren rund 50 Schadensmeldungen mit einem Gesamtvolumen von weit über 150 Millionen Euro.

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