Altersvorsorge: So kann die Riester-Rente besser werden

Berater Recht & Haftung Top News von Detlef Pohl




Mehr Haftung des Vorstandes bei Vertriebsentgleisungen

Gleichwohl sieht Finanztip die Produktgeber in der Pflicht, konsequenter die Kosten zu drosseln. 2017 gab es in der gesamten Lebensversicherungsbranche trotz 2015 eingeführter Provisionsobergrenzen noch immer 6,8 Milliarden Euro Abschlusskosten. Es sei nicht seriös, wenn „immer wieder alte Riester-Policen mit guten Garantiewerten in neue Policen mit geringeren Garantien umgedeckt werden“, kritisierte Tenhagen. „Wenn Vertriebsvorstände nicht willens oder in der Lage sind, solche Praktiken zu unterbinden, sollte man den einen oder anderen aus dem Verkehr ziehen“, sagte der Finanztip-Chef mit Blick auf die Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler am Montag.

Bei einer Reform der Riester-Rente sollten laut Tenhagen vor allem geringe Kosten, erhöhte Glaubwürdigkeit und eine gute Beteiligung der Kunden an der Marktrendite bei geringem Risiko im Vordergrund stehen. Die Kostendifferenz über die Laufzeit summiert sich bei einem billigen Anbieter wie Hannoversche Leben und einer teuren Gesellschaft wie Allianz „für ein Ehepaar auf den Preis eines Kleinwagens“, so Tenhagen. Das gehe nicht an. Der rechnerische Beweis für den Kostenvorteil zum Preis eines Kleinwagens durch Abschluss bei einem Direktversicherer betrage über 11.500 Euro. Finanztip hat dies auf seiner Website hinterlegt (Folie 10 der Präsentation).

Abschlusskosten bereits um 40 Prozent gedrückt

Zum Kostenargument konterte Schwark: Die Branche habe mit dem LVRG 2015 bereits handfeste Verbesserungen umgesetzt. „Die einmalig einkalkulierten Abschlusskosten wurden um 40 Prozent reduziert, die Regeln zur Überschussbeteiligung für Kunden verbessert (90 Prozent der Risikoüberschüsse werden zur Rentenerhöhung verwendet). „Einheitliche Produktinformationsblätter bringen zudem mehr Vergleichbarkeit und neue Kennziffern mehr Transparenz (Effektivkosten; Chancen-Risiko-Klassen).“ Bei aller Stagnation seien 16,5 Millionen Riester-Verträge in einem freiwilligen System eine gute Basis. „Auf jeden Förder-Euro kommen zwei Beitrags-Euro“, so Schwark. Auch dies sei in Ordnung.

Die Kostenfrage dürfe nicht allein bei den Produktgebern aufgemacht werden. Nach einer Untersuchung des Volkswohlbund kämen jedes Jahr bei jedem achten Vertrag zwischendurch telefonische oder schriftliche Rückfragen, die abzuarbeiten sind. Dies widerspiegele überdurchschnittlichen Beratungsaufwand bei unterdurchschnittlichen Vertragsvolumina“, betonte Schwark. Es bedürfe stärker automatisierter Vertragsanpassungen. Die Kapitalanlagekosten seien wettbewerbsfähig, aber es entstünden außerhalb der Branche zahlreiche Kosten wegen Zulagenstelle, Finanzbehörden, Kindergeldstellen und Arbeitsamt.

Riester-Förderung entschlacken und alle begünstigen

Um zu einem kostengünstigen Standard-Riester zu kommen, ist primär „politischer Wille zu deutlich vereinfachter Förderung und längst überfälliger Dynamisierung der Riester-Verträge nötig“. Der GDV schlägt in diesem Zusammenhang vor, den förderfähigen Personenkreis auf alle unbeschränkt steuerpflichtigen Bürger auszuweiten, keine aufwendige Prüfung der Förderberechtigung mehr zu betreiben und die Förderung auch bei Statuswechsel zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbständigkeit nicht mehr zu streichen. „Der Weg zu einem attraktiven standardisierten Riester-Produkt beginnt mit einer umfassenden Reform der Riester-Förderung“, so Schwarks Fazit.

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