Altersvorsorge: So kann die Riester-Rente besser werden

Berater Recht & Haftung Top News von Detlef Pohl

Die Kritik an den Eckpunkten der bisherigen Riester-Produkte kulminiert in dem Wunsch der Politik nach zügiger Entwicklung eines attraktiveren standardisierten Riester-Angebots. Gesucht wird dabei ausgerechnet der Dialog mit der Versicherungsbranche. Wie die Chancen tatsächlich stehen, wurde in einem versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin beleuchtet.

GDV-Geschäftsführer Peter Schwark sprach sich gestern beim versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin für eine Reform der Riester-Förderung aus. Bild: Detlef Pohl

Geladen hatte der Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin e.V. in den altehrwürdigen Brandenburgsaal der Feuersozietät Berlin-Brandenburg, die seit 2012 zur Versicherungskammer Bayern gehört. Gesucht wird für die Riester-Vorsorge nicht mehr und nicht weniger als die „eierlegende Wollmilchsau“: niedrige Kosten, große Flexibilität, Transparenz und Verständlichkeit, großer Verbreitungsgrad, Opt-out, Rentabilität, einfache Zulagenregelung, gerechte Förderung.

Bereits im Vorfeld hatte procontra seinem Namen alle Ehre gemacht und die Kontroverse um die Riester-Rente und die Rolle der Versicherungsbranche angeheizt. „Ausgerechnet jene Branche soll das Produkt anbieten, die für die Defizite der Riester-Rente mit verantwortlich ist und sich wiederholt gegen ein Nonprofit-Produkt ausgesprochen hat?“, ereiferte sich Cornelia Hagen (DIW Berlin) in dem Artikel „pro/contra: Braucht es einen Standard-Riester?“ Ende Mai. Joachim Haid (proRiester) sieht in der Riester-Rente dagegen ein einzigartiges Erfolgsmodell, das es allenfalls zu optimieren gilt.

Deutliches pro Riester

Genau darum ging es in dem Fachgespräch. Erstaunlich einmütig gab sich das Podium pro Riester. „Riester für alle“ forderte Verbraucherschützer und -publizist Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Online-Verbraucherportals Finanztip. „Alle Erwerbstätigen sollten eine Riester-Rente abschließen dürfen“, ergänzte Dr. Peter Schwark, Geschäftsführer beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Leiter des Kompetenzzentrums Altersvorsorge und Zukunftssicherung. Er wünscht sich eine „Entschlackung“ der ausufernden Förderbürokratie, die massiv zur Kostenaufblähung beiträgt. Hätte eine Billigfluginie nicht den Flug von Dietmar Bläsing, Vorstandschef der Volkswohlbund Lebensversicherung, ersatzlos gestrichen, hätte er sicher auch mit Argumenten pro Riester aufgewartet.

So blieb es bei manch interessantem Detailvorschlag, wie die Riester-Rente zukunftsfest gemacht werden kann. Einer Finanztip-Umfrage von 2017 zufolge sorgen im Schnitt 15 Prozent der Deutschen gar nicht vor, in der Gruppe mit unter 10.000 Euro Jahreseinkommen gar 29 Prozent. „Diese Gruppe könnte aber mit je 18,75 Euro Monatsbeitrag 400 Euro im Jahr auf einem Riester-Vertrag ansparen“, warb Tenhagen. Das mache nun mehr Sinn als noch im vergangenen Jahr, weil erstmals Freibeträge auf die Grundsicherung im Alter gesetzlich eingerichtet wurden.

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