Simpler für den Kunden = schwieriger für den Makler?

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Etablierte Anbieter verschlanken ihre Produktpaletten, um Digitalisierung und Vereinfachung erst zu ermöglichen. Klassische Vertriebswege geraten unter Druck, werden aber weiterhin gebraucht.

Viele Versicherer vereinfachen ihr Produktporfolio - was bedeutet das für Makler?

Viele Versicherer vereinfachen ihr Produktporfolio - was bedeutet das für Makler? Foto: mohamed_hassan - Pixabay.de

Vereinfachung avanciert zum Trend der Old-Economy-Versicherer. Nach Generali und Zurich schreibt sich jetzt die Allianz mehr Simplizität auf die Fahne. „Wir sind viel zu kompliziert“, konstatierte Konzernchef Oliver Bäte auf der Bilanzpressekonferenz recht unverblümt. Produkte, Prozesse und IT müssten vereinfacht werden. Bäte macht das Thema zum Schwerpunkt seines neuen Programms, das im November vorgestellt werden soll. Wohl zur selben Zeit könnte der Branchenprimus weitere einfach gestrickte Produkte auf den Markt bringen. Diese Entwicklung ist für Makler nicht ungefährlich. 

Kfz als Blaupause

Den Startschuss zu ihrer Vereinfachungsoffensive feuerten die Münchener im Oktober 2017 mit einer neuen Autoversicherung ab. Diese gibt es nur noch in drei Varianten. Auf die in der Branche üblichen Kleinstdifferenzierungen wurde verzichtet. Ziel des Angebots sind schnelle und einfache Abschlüsse. Hier steht die Allianz – ebenso wie alle übrigen etablierten Versicherer – selbst unter Handlungsdruck.

Denn mit Friday und nexible sind seit Kurzem zwei rein digitale Kfz-Versicherer auf dem deutschen Markt auf Kundenfang. Mit nur wenigen Daten und ein paar Klicks können Kunden dort eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abschließen. Die Policen sind monatlich kündbar und im Fall von Friday werden nachträglich nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer berechnet. Friday ist eine Tochter der Baloise Gruppe, zu der auch Basler gehört. In den ersten zehn Monaten am Markt – von April bis Dezember 2017 – akquirierte Friday rund 15.000 Kunden.

nexible, eine Ergo-Tochter, konnte von Oktober bis Dezember 2017 rund 20.000 Versicherungsnehmer überzeugen. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich per Computer und Smartphone. Noch eine Weile arbeiten die Neulinge mit Verlust. Aktuaren zufolge braucht es 100.000 bis 200.000 Verträge für ein profitables Geschäft.  

Kaum genutzte Produktvarianten

Wie man in der Autoversicherung Geld verdient, sieht die Allianz im eigenen Haus in Spanien. Bäte zufolge haben die Münchener hier nur zwei Tarife im Angebot, und diese seien hochprofitabel. Das ist für den Allianz-Boss vorbildlich. Folglich gibt er die Richtung vor: „Reduktion von Produktvarianten, und das konsequent.“ In der Betriebshaftpflichtversicherung biete die Allianz 340 Produktvarianten. Mehr als 90 Prozent würden aber von Kunden nicht oder nur selten genutzt.

Durch Vereinfachung des Geschäftsmodells könne die Profitabilität der Sachsparte erhöht werden. Die Forderung nach Abbau von Komplexität hört sich banal an, ist aber kein leichtes Unterfangen. Schließlich haben sich die bestehenden Strukturen und Prozesse über Jahrzehnte entwickelt.

Die Zurich Gruppe Deutschland arbeitet seit fast drei Jahren an einem Abbau ihrer Komplexität. „Allein im Bereich Leben haben wir mehr als 2.500 Tarife“, sagte Vorstand Ulrich Mitzlaff damals. Immer wenn es neue Marktentwicklungen gab oder die Vertriebe besondere Wünsche hatten, habe Zurich diese berücksichtigt. So sei das Regal immer voller geworden. Hinzu kämen unterschiedliche IT-Systeme, weil Wettbewerber übernommen wurden.

Ins gleiche Horn blies Giovanni Liverani, als er bei Generali Deutschland den Chefposten übernahm. In der Schadens- und Unfallversicherung habe man mehr als 600 Tarife. Nur 60 würden wirklich gebraucht.

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