Sichere Altersvorsorge: Nicht bei diesen Zinsen!

Berater Top News von Martin Morgenstern

Sicherheitsorientierte Anleger haben bei den derzeitigen Niedrigzinsen keine Chance, die notwendige Altersvorsorge zu betreiben, sagt Prof. Michael Hauer, Geschäftsführer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) im Interview mit procontra.

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Prof. Michael Hauer warnt: Bei diesen Niedrigzinsen haben es sicherheitsorientierte Anleger besonders schwer. Sie müssen Umdenken. Bild: IVFP

procontra: Klassische Lebensversicherungen standen bei den Deutschen lange hoch im Kurs und warfen ordentliche Renditen ab. Das scheint mittlerweile alles Vergangenheit. Was ist passiert?

Prof. Michael Hauer: Die Renditen auf den Anleihemärkten sind eklatant gesunken. Ursache dafür ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen lag 2001 im Durchschnitt noch bei 4,6 Prozent - 2017 war sie sogar negativ.
Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Überschussverzinsung der Lebensversicherer. Konnten die Versicherungsgesellschaften im Jahr 2001 noch eine laufende Verzinsung von über 6 Prozent erreichen, so liegt sie derzeit bei ca. 2,5 Prozent, also 3,5 Prozentpunkte geringer.

procontra: Die Gewährung von Garantien in der Lebensversicherung ist mit Kosten verbunden. Wie hoch fallen diese aus und von welchen Faktoren sind sie abhängig?

Hauer: Garantieversprechen kosten Geld – unabhängig davon, wer sie ausspricht. Im Investmentbereich werden Garantien durch Anleihen erzeugt. In einer Niedrigzinsphase benötigt man demnach mehr Anteile in der Anleihe, um die Garantien zu erzeugen. Somit steht nur noch wenig vom Beitrag für die Anlage in Wertpapiere mit hohen Renditenchancen zur Verfügung. Das heißt, dass die Kosten einer Garantieerzeugung durch entgangene Gewinnchancen entstehen – dies sind also Opportunitätskosten.

procontra: Wie ist ein Verzicht von Garantien den Kunden gegenüber vermittelbar? Schließlich scheinen insbesondere deutsche Anleger immer noch ein sehr großes Sicherheitsbedürfnis zu haben.

Hauer: Das ist richtig. Unabhängig davon sollte man den Menschen, die mehr Rendite generieren möchten, auch die Chance dazu geben. Bei Riester ist dies nicht der Fall, da der Gesetzgeber die 100-Prozent-Beitragsgarantie verlangt. Jeder, der diese haben möchte, sollte sie auch weiterhin haben können. Diejenigen aber, die auf Garantien verzichten möchten, da sie aufgrund einer langen Laufzeit beispielsweise wenig Risiko sehen, sollten auch Verträge ohne diese 100-Prozent-Beitragsgarantie eingehen können.

Wertpapiere bieten höhere Rendite-Chancen

Denn eines ist klar: Die nötige Altersvorsorge kann durch die derzeitig niedrigen Zinsen bei sicherheitsorientieren Anlagen nicht erreicht werden. Die Menschen müssen also diesbezüglich umdenken und mehr Bereitschaft zeigen, in Wertpapiere mit höheren Rendite-Chancen zu investieren.

procontra: Was muss eine Lebensversicherung mitbringen, um noch attraktiv für den Kunden zu sein?

Hauer: Lebens- und Rentenversicherungen gibt es inzwischen in vielfältiger Form - von sicherheitsorientierten klassischen Angeboten bis hin zu chancenorientierten Fondspolicen. Daher ist aus meiner Sicht das Angebot ausreichend und für jeden sind attraktive Lösungen dabei. Entscheidend ist vielmehr, dass der Kunde eine zu ihm individuell passende Lösung findet. Dazu benötigt er Unterstützung von qualifizierten Beratern.

procontra: In ihrer veröffentlichten Studie legen Sie dar, dass ein Garantiefall nur selten eintritt. Wie selten genau?

Hauer: Dies hängt natürlich sehr stark von der Laufzeit und den Annahmen ab. Bei theoretischen Modellen reicht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass bei einer Laufzeit von 30 Jahren weniger als die eingezahlten Beiträge erreicht werden von null bis 24 Prozent. In der Realität ist es beispielsweise beim MSCI-World seit 1970 und einer Laufzeit von 30 Jahren überhaupt nicht vorgekommen. Dabei muss auch beachtet werden, dass es in der Praxis Verfahren gibt, die das Risiko mindern wie zum Beispiel das sogenannte Ablaufmanagement.

Risiko trotzdem vorhanden

Klar ist aber auch, dass das Risiko, bei Aktieninvestitionen weniger als die eingezahlten Beiträge zu erhalten, trotzdem vorhanden ist. Dafür hat man aber auch eine nicht unbeachtliche Chance auf mehr Rendite – beim Beispiel MSCI-World waren es im Durchschnitt 5 Prozent jährliche Rendite. Daher sollte jeder das auswählen können, was zu ihm passt – jeder nach seinen Ansprüchen.

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