„Riester sollte für alle verpflichtend werden“

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Die Nachfrage stagniert, die Kritik wird lauter. Benötigt Riester eine Reform oder bringt ein standardisiertes Produkt die Lösung? procontra sprach darüber mit dem Erfinder und Namensgeber der Zulagenrente, Walter Riester.

Sieht Reformbedarf, aber auch Zukunft für die nach ihm benannte Zulagenrente: Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung a.D., Walter Riester.

Sieht Reformbedarf, aber auch Zukunft für die nach ihm benannte Zulagenrente: Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung a.D., Walter Riester. Bild: procontra

procontra: Die Anzahl der Riester-Verträge stagniert. Bei Versicherungs- und Banksparverträgen schmilzt der Bestand bereits. Was sind, Ihrer Meinung nach, die Ursachen für die kaum noch vorhandene Riester-Nachfrage?

Walter Riester: Das ist eine Frage der Betrachtungsweise: Ich war anfangs fest entschlossen, die Riester-Förderung obligatorisch, also für alle verpflichtend einzuführen. Schon damals war klar, dass die Rücklagenbildung für das Alter bei vielen Menschen viel zu gering ist. Die Lebenszeit ohne Erwerbseinkommen ist erfreulicherweise immer weiter gestiegen – allerdings musste dafür auch vorgesorgt werden.

Leider sind unsere anfänglichen Pläne für die Umsetzung durch eine Indiskretion an die BILD-Zeitung geraten. Diese hat dann mit einem riesigen Aufmacher eine ‚zweite Zwangsrente‘ in Aussicht gestellt und damit eine Debatte eröffnet, mit der man keine parlamentarische Mehrheit mehr bekommen konnte. Die ursprüngliche Idee ist also daran gescheitert, dass sie medial zerredet worden ist.

procontra: Also läuft die Riester-Nachfrage aktuell gar nicht schlecht?

Riester: Gemessen an einer freiwilligen Form der Altersvorsorge ist der aktuelle Vertragsstand mit über 16,5 Millionen außerordentlich hoch. Ich kenne überhaupt keine sozialpolitische Entscheidung der Nachkriegszeit, bei der so viele Menschen bei einer freiwilligen Maßnahme, die zudem noch Eigenbeiträge erfordert, mitgemacht haben.

Aktuell sind wir an einem Punkt der Sättigung angelangt. Dass dieser erst jetzt mit 16,5 Millionen Verträgen eingetreten ist, ist bemerkenswert, wenn man auf den Wegfall der ursprünglichen obligatorischen Idee und die immer wiederkehrende, häufig schlecht recherchierte mediale Schelte zurückblickt.

procontra: Was halten Sie für besser geeignet, um den „Riester-Verdruss“ zu beseitigen: Die Einführung eines Standard-Produkts oder eine Reform des aktuellen Angebots?

Riester: Auf jeden Fall eine Reform. Aber nicht irgendeine.

procontra: Wie sollte diese, Ihrer Meinung nach, aussehen?

Riester: Mit einer Reform sollte das Riester-Sparen zuallererst einmal für alle Menschen obligatorisch werden. Zweitens sollten nicht nur die gesetzlich Rentenversicherten diese Möglichkeit nutzen können, sondern jeder mit dem Eintritt ins Berufsleben oder in die berufliche Erstausbildung. Das würde das gesamte Produkt deutlich vereinfachen, weil sich nicht mehr die Frage stellen würde, ob jemand eine Zulage bekommt oder nicht.

Außerdem würde ich das Riester-Steuersparmodell anpassen. Und zwar dergestalt, dass die Sonderausgabenrückerstattung dem Sparer nicht mit der jährlichen Steuererklärung ausgezahlt wird, sondern dass der Steuervorteil auf das Vorsorgekonto eingezahlt wird – genau wie die Zulagen. Diesen technischen Fehler, also dass wir das bei der Einführung damals nicht mit ins Gesetz aufgenommen haben, rechne ich auch mir selber an. Das müsste auf jeden Fall geändert werden.

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