Rendite: Welche Bonds lohnen sich?

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Julia Groth

Für welche Anleihengattung noch positive Aussichten bestehen und welche Rolle Rentenpapiere derzeit im Portfolio spielen sollten, darüber sprach procontra mit Pictet-Investmentstratege Walter Liebe.

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Pictet-Investmentstratege Walter Liebe erklärt im procontra-Interview, wo er Chancen im Anleihemarkt sieht. Bild: Pictet

procontra: Herr Liebe, haben Sie die Marktturbulenzen Anfang dieses Jahres überrascht?

Walter Liebe: Eigentlich nicht. Wir hatten bereits damit gerechnet, dass die niedrige Volatilität nicht von Dauer sein würde. Üblicherweise hat man am Aktienmarkt eine Schwankungsbreite von circa 15 Prozentpunkten pro Jahr. Im Jahr 2017 betrug die Schwankungsbreite im US-Aktienindex S&P 500 aber gerade einmal 5 Prozentpunkte. Das war außergewöhnlich wenig. Die Aktienkurse haben zuletzt so wenig geschwankt wie sonst die Anleihekurse. Dieser Zustand war völlig unverständlich angesichts der geopolitischen Risiken und der sich allmählich normalisierenden Geldpolitik. Es war klar, dass es so nicht weitergehen würde.

procontra: Nun sind Ende Februar nicht nur die Aktien-, sondern auch die Anleihekurse gefallen.

Liebe: Der Auslöser für die Kursrücksetzer bei Aktien war interessanterweise ausgerechnet am Anleihemarkt zu finden. Dahinter steckte die Sorge um die Normalisierung der Geldpolitik. Wenn die Zentralbanken die Leitzinsen anheben, reagieren die Anleihemärkte nicht linear, sondern schubweise, was mit großen Schmerzen verbunden ist. Nur deshalb konnte eine relativ bedeutungslose Datenveröffentlichung wie ein US-Produzentenpreisindex derartige Turbulenzen auslösen. Angesichts des schwierigeren Zinsumfelds sorgten sich Anleger plötzlich um die Inflation, und in der Folge brachen sowohl die Aktien- als auch die Anleihekurse ein.

Zukunft am Anleihemarkt?

procontra: Wie geht es jetzt am Anleihemarkt weiter?

Liebe: Ende vergangenen Jahres hatten wir für das Jahr 2018 für zehnjährige US-Staatsanleihen eine Rendite von 3 Prozent prognostiziert. Für zehnjährige Staatsanleihen aus der Eurozone hatten wir 0,75 Prozent Rendite vorhergesagt. Momentan sind wir bei 0,67 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen und 3,02 Prozent für US-Staatsanleihen. In den kommenden Monaten könnten die Renditen etwas schwanken, zum Jahresende sollten sie sich aber ungefähr auf dem aktuellen Niveau bewegen, also im Einklang mit unserer Prognose.

procontra: Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher. Eignen sich Bonds noch dazu, Verluste auf der Aktienseite abzufedern?

Liebe: Das kommt auf die Anleihen an. Bisher hielten sich die Kursverluste bei sicheren Staatsanleihen in Grenzen, weil die Zentralbanken die Sorgen der Anleger vor weiteren Zinsschritten durch warme Worte zerstreuten. Sie wollten unbedingt vermeiden, dass sich das sogenannte Taper Tantrum von 2013 wiederholt. Damals waren die Anleihekurse wegen der Aussicht auf eine etwas straffere Geldpolitik in den USA regelrecht kollabiert. Nach den jüngsten Renditeanstiegen sind Staatsanleihen mit Top-Bonität nun auch wieder attraktiver als in früheren Marktphasen, in den USA mehr als in Europa.

Unternehmensanleihen ins Portfolio?

procontra: Sonderlich anziehend sind die Renditen sicherer Staatsanleihen aber immer noch nicht, und bei weiter steigenden Zinsen drohen neuerliche Kursverluste. Sollten Anleger besser zu Unternehmensanleihen greifen?

Liebe: Will man mit Anleihen in Zeiten steigender Zinsen keine Verluste erleiden, braucht man Papiere, deren Coupon so hoch ist, dass der Mehrertrag potenzielle Kursverluste übersteigt. Das kann bei Unternehmensanleihen der Fall sein. Europäische und US-Unternehmensanleihen finden wir zurzeit aber sehr teuer. Die Risikoprämien der Papiere, die sogenannten Spreads, sind inzwischen außerdem zu niedrig, um einen Puffer gegen steigende Zinsen zu bieten. Angesichts der niedrigen Ausfallraten sind die Spreads zwar angemessen. Ab dem kommenden Jahr dürfte es aber wieder mehr Ausfälle geben. In der Folge werden die Risikoprämien steigen und die Kurse fallen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Immer dann, wenn es am schönsten ist und Anleger denken, dass die Ausfallraten nie wieder steigen werden, passiert genau das Gegenteil. Auch deshalb eignen sich Unternehmensanleihen nicht als sicherer Hafen.

Kein Ertrag ohne Risiko

procontra: Gibt es am Rentenmarkt überhaupt noch irgendwo stabile Erträge ohne hohe Kursrisiken?

Liebe: Allgemein gilt: Ohne Risiko kein Ertrag. Unserer Ansicht nach sind aber Schwellenländer-Anleihen interessant. Die Schwellenmärkte befinden sich in einem früheren Stadium des Kreditzyklus als die Industriestaaten. Im Jahr 2013 hatten die Kurse von Emerging-Markets-Anleihen, wie bereits erwähnt, stark nachgegeben. Erst seit Anfang 2016 sehen wir einen stabilen Aufwärtstrend. Zugleich bieten Schwellenländer-Anleihen hohe Zinsen. Und sie haben zu Jahresbeginn nur einen geringen Kursverlust verzeichnet, trotz des Renditeanstiegs am US-Anleihemarkt. Schwellenländer-Bonds sind die einzige Anleihegattung, für die wir im laufenden Jahr einen optimistischen Ausblick haben.

Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden procontra ab 08. Juni 2018.

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